Risiko: Radioaktivität

Eine Studie der Radioactive Waste Management Associates berichtet über den Umgang mit radioaktiv belastetem Bohrschlamm, der bei Gasbohrungen im Marcellus Shale anfällt. Der Marcellus Shale ist eines der großen Fördergebiete für unkonventionelles Gas in den USA und erstreckt sich über Pennsylvania, Virginia und New York.

Beim Bohren nach Öl- und Gas werden die vom Bohrkopf aufgebrochenen Gesteinsschichten mit Flüssigkeiten versetzt und über das Bohrgestänge nach oben gepumpt. Seit den 1930 Jahren ist bekannt, das diese Bohrabfälle radioaktive Stoffe enthalten können.

In Deutschland beträgt die durchschnittliche Belastung der NORM-Abfälle aus der Öl- und Gasindustrie nach Angaben eines Exxon-Experten 88 Bq/g. Zum Vergleich: die Altlasten des Uranbergbaus in Wismut, die für über 10 Milliarden Euro aufwändig saniert werden, weisen eine spezifische Aktivität von maximal 18 Bq/g auf. Siehe http://www.wdr.de/themen/wirtschaft/4/radioaktivitaet/1.jhtml

Im Marcellus Shale liegen unter anderem größere Konzentrationen von Uranium und Thorium. Uranium selbst ist nicht wasserlöslich, aber Radium-226, ein Zerfallsprodukt von Uranium, ist es. Dazu kommt unterirdisch eingeschlossenes Wasser, in dem sich Radium-226 seit Jahrhunderten angereichert hat.

Wird nun gebohrt, vermischt sich die Bohrflüssigkeit mit den Radium-226 Konzentrationen und wird an die Oberfläche gepumpt. Dort wird der Bohrschlamm mechanisch in Wasser und feste Bestandteile getrennt. Ein Teil des Wassers wird wiederverwendet, der Rest auf Deponien entsorgt.

Wasser ist gewissermaßen das “Transportmittel” für die Radionuklide. Zur Steigerung der Ausbeute wird oft Wasser in die Lagerstätte gepresst. Auch dieses Wasser ist, wenn es wieder an die Oberfläche kommt, radioaktiv belastet. Siehe http://www.wdr.de/themen/wirtschaft/4/radioaktivitaet/1.jhtml

Radium-226 hat eine Halbwertzeit von 1600 Jahren. Es gehört zu den schwach strahlenden radioaktiven Elementen. Gefährlich wird es, wenn es in den Körper gelangt. Es reichert sich in den Knochen an und wirkt krebserregend. Beim Zerfall von Radium entsteht außerdem Radon, ein Gas, das ebenfalls radioaktiv und krebserregend ist.

Bei unsachgemäßer Lagerung der Bohrschlämme, kann Radium-226 in das Grundwasser und in die Nahrungskette gelangen. Das austretende Radon Gas verbreitet sich unkontrolliert. Die Studie kommt zu dem Ergebnis, daß die dabei entstehende Belastung, die erlaubten Grenzwerte für die nächsten 1000 Jahre deutlich überschreiten wird.

“As we noted [...] exposures to landfill workers and those who eat fruits or vegetables grown more than 1,000 years in the future over the closed landfill would exceed current health-based dose limits.”

Am Marcellus Shale, so die Studie, werden im Moment pro Woche 2000 Tonnen Bohrschlämme in einer städtischen, oberirdischen Deponie, die nur durch eine Ton- und Kunststoffschicht geschützt ist, abgeladen. Die Bohrschlämme enthalten ca. 20% kontaminiertes Wasser.

Der Marcellus Shale ist nur ein Beispiel von vielen. Überall auf der Welt, wo nach Erdöl oder Gas gebohrt wird, entstehen gigantische Mengen schwach radioaktiver Abfälle. Norwegen scheint als eines der wenigen Länder über ein Entsorgungskonzept zu verfügen.

In Deutschland entstehen radioaktiv belastete Bohrschlämme vor allem in Niedersachsen. Der Wirtschaftsverband Erdöl- und Erdgasgewinnung spricht von 300 Tonnen pro Jahr. Die Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit in Köln geht von deutlich höheren Werten aus.

Die Frage ist: Was passiert mit diesen großen Mengen radioaktiv belasteter Abfälle, die Jahr für Jahr entstanden sind und irgendwo geblieben sein müssen? Der Verband, der von den Gas- und Öl-produzierenden Unternehmen beauftragt wurde, alle Fragen in diesem Zusammenhang zu beantworten, kann nicht einmal erklären, wie jene 300 Tonnen kontaminierter Abfälle pro Jahr genau entsorgt werden, die die Industrie selbst einräumt. Siehe http://www.dradio.de/dlf/sendungen/hintergrundpolitik/1119961/

Auch hier bleiben, wie häufig im Zusammenhang mit Öl- und Gasbohrungen, viele Fragen offen. Der Verband der Gas- und Ö-produzierenden Unternehmen sieht keine Risiken.

Quellen:

Kommentar schreiben

1 Kommentare.

  1. Christian Hohn

    Hallo,
    ich stelle immer wieder die Frage: “Wie viel Rodon oder andere Radioaktive Gase (Elemente) sind im Erdgas enthalten? Bzw. im unkonventionellen Gas?
    Ich habe bis Heute noch keine Antwort von Gaslieferanten erhalten. Können Sie mir weiter helfen?
    Gruß
    Christian Hohn

Kommentar schreiben