Keine Schiefergas Revolution in Europa?

Studien der Deutschen Bank, Ernst & Young, des Britischen Geologischen Dienstes und praktische Erfahrungen in Polen zeigen, dass in Europa nicht mit einer Schiefergas Revolution zu rechnen ist.

Vielmehr stellen sich die Schätzungen der Internationalen Energieagentur IEA für Europa, auf deren Basis momentan viele Entscheidungen getroffen werden, immer mehr als Blase heraus.

Die New York Times berichtete bereits mehrfach über ähnliche Erfahrungen aus den USA. Momentan funktioniert das als “Ponzi-Schema” (Schneeball-System) bezeichnete Verfahren vor allem, weil extrem viele Bohrungen durchgeführt werden, die im Gegensatz zur konventionellen Gasförderung aber meist schon nach zwei Jahren den Tiefpunkt der Förderung erreicht haben.

Die Deutsche Bank UK sieht im Spezialreport “A first look as EU shale gas prospects” vom 20 Oktober 2011, der leider nicht öffentlich zugänglich ist, besonders Risiken bei den tatsächlich förderbaren Mengen, der Produktionsrate und den Bedenken in der Bevölkerung.

“First among these [uncertainties] are the size of the recoverable resource, production rates and the extent to which residents’ and environmentalists’ concerns can be accommodated. Accordingly while shale-gas resource development is expected to proceed in the EU, North Africa and China there are limiting factors and higher cost than in the US. The impact of shale-gas production on EU gas prices is not expected to be anywhere near as great as in the US.

Quelle: http://www.longfinance.org/programmes/london-accord/499.html

Auch eine Studie vom Dezember 2011 der Unternehmensberatung Ernst & Young  mit dem Titel “Shale Gas in Europe – Revolution or Evolution?” sieht keine revolutionären Änderungen durch die Erschließung von Schiefergas in Europa.

John Avaldsnes, Ernst & Young’s EMEIA Oil & Gas Sector Leader says “While exploration is underway in several countries such as Austria, Germany, Hungary, Ireland, Poland, Sweden and the UK, no shale gas play has yet been brought into production in Europe, and only a fraction of this resource base is likely to ever prove commercial and be produced. In addition, over half of all estimated European shale gas reserves, which accounts for almost 10% of the global total, are concentrated in just two countries, Poland and France.

Quelle: http://www.ey.com/GL/en/Newsroom/News-releases/Shale-gas-in-Europe–revolution-or-evolution

In Großbritannien hat der Britische Geologische Dienst die angeblich vorhandenen Mengen an Gas überprüft, die das Unternehmen Cuadrilla Resources für den Bowland Shale gemeldet hat. Der geologische Dienst kommt auf 4,7 tfc (Milliarden Kubikfuß) statt der von Cuadrilla stets angegebenen 200 tfc.

Speaking at this week’s Shale Gas Environmental Summit in London, Stephenson [Head of Energy, British Geological Survey] stated: “We worked out our old resource figure for the Bowland shale, somewhat crudely, by comparing the recovery rate for Barnett shale in Texas, which is the same geological age, and multiplying it by the land area of Bowland. Cuadrilla’s estimate of 200 tcf is about 40 times higher.

Quelle: http://millicentmedia.com/2011/11/02/british-geological-survey-cuadrilla%E2%80%99s-shale-gas-estimate-unreliable-to-release-new-figure/

In Polen gibt es momentan erhebliche Anstrengungen, die Schiefergasförderung auszubauen. Trotz einiger Widerstände in der Bevölkerung und einem gescheiterten Versuch eine Schiefergas-freundliche europäische Gesetzgebung durchzuführen, sind in keinem Land in Europa so viele Probebohrungen durchgeführt und auch gefrackt worden, wie in Polen.

Bisher sind das 14 Bohrungen, von denen 8 zum Teil horizontal gebohrt und in mehreren Stufen gefrackt wurden (Multi-Stage-Fracking). 100 bis 200 weitere Probebohrungen sind noch geplant.

Die gefundenen Gasmengen haben sich bisher allerdings nicht als wirtschaftlich förderbar herausgestellt. Auch hier sieht es so aus, als ob die versprochenen 5,3 TCM Gas nicht haltbar sind. Konservativere Schätzungen gehen momentan von etwa 80 Prozent geringen Mengen aus, die technisch und wirtschaftlich förderbar sind.

Das Polnische Geologische Institut arbeitet an neuen Zahlen, die Anfang 2012 verfügbar sein sollen.

ExxonMobil bestätigt diese Erfahrungen. Zwei Bohrungen, die Ende 2011 in Polen durchgeführt wurden, liefern kein Gas in wirtschaftlich relevanten Mengen.

Quellen:
http://www.naturalgaseurope.com/polish-shale-gas-estimates-likely-to-drop
http://www.bloomberg.com/news/2012-01-31/exxon-says-two-polish-shale-wells-were-not-commercially-viable.html

1 Kommentare.