Verden vermutet unzulässige Entsorgung von Frack-Flüssigkeit

Seit längerem ist bekannt, dass RWE DEA und ExxonMobil mit dem Lagerstättenwasser auch Frack-Flüssigkeiten in Versenkbohrstellen entsorgen. Rein technisch ist es schon nicht möglich, nach dem Fracking noch zwischen Frackflüssigkeit und Lagerstättenwasser zu unterscheiden. Der Kreis Verden hält diese Praxis für unzulässig.

„Teile der dabei anfallenden Frac-Flüssigkeit werden, wenn durch das Lagerstättenwasser auch stark verdünnt, ebenfalls in Scharnhorst verpresst“, sagt die städtische Fachbereichsleiterin Ulrike Zeidler. Und sie fragt sich, ob das überhaupt rechtens ist. Der Landkreis habe 1999 in einer Ausnahmegenehmigung zur Verpressung des Lagerstättenwassers festgeschrieben, „dass die Beimischung oder Versenkung anderer Abwässer nicht zulässig“ sei.

Die Versenkbohrstelle Völkersen H1 liegt bei Scharnhorst im Kreis Verden in gerade 1100 Meter Tiefe. Ein bereits vorhandenes Netz von Lagerstättenwasser Leitungen will RWE DEA noch weiter ausbauen. Alleine dieses Jahr wurden 14 Kontaminierungen von Grundwasser durch Benzol oder Quecksilber aus undichten Leitungen bekannt. Im Raum Verden wird das Trinkwasser für eine halbe Millionen Menschen gewonnen.

In den 90er Jahren entsorgte das Unternehmen Conoco bei Drensteinfurt (NRW) in einer erfolglosen Bohrung eine Kaliumchloridlösung, wie sie auch beim Fracking eingesetzt wird. Das Bergamt in Arnsberg forderte die vollständige Rückholung der Flüssigkeit.

Bei der Bohrung „Rieth 1“ in Drensteinfurt,[…] hatte Conoco die Auflage, das gesamte Bohrloch nach Abschluss der Arbeiten mit Zement zu verfüllen. Tatsächlich aber füllte das Unternehmen zunächst einige Meter Zement ein, dann auf fast einem Kilometer Länge eine Kaliumchloridlösung unbekannter Herkunft – und die letzten 60 Meter erst wieder Zement.

Eine Art unterirdische Giftmüll-Kippe. Die Bergbehörde merkte es und mahnte das damals auch nachdrücklich an, wie ein heftiger Schriftwechsel mit dem Mineralölkonzern offenbart. Conoco musste das Loch wieder öffnen und die salzige Brühe abpumpen.

Wenn sich die jahrelange Entsorgung der Frackflüssigkeit bzw. des Lagerstättenwassers mit Bestandteilen der Frackflüssigkeit bei Völkersen H1 als unzulässig herausstellen sollte, wird es eine spannende Aufgabe werden, das Gemisch aus dem Boden zurückzuholen. Es könnte sich als nicht rückholbar erweisen, was von Gegnern des Verfahrens schon länger kritisiert wird.

Quellen:

1 Kommentare.

  1. Pressespiegel 49. KW 2011 « Gegen Gasbohren… - pingback on 10. Dezember 2011 um 10:18

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