Ausschreibung der Studie „Umweltauswirkungen von Fracking“ des Bundesumweltministeriums

Das Bundesumweltamt hat im Auftrag des Bundesumweltministeriums eine Studie zur Erforschung der „Umweltauswirkungen von Fracking bei der Aufsuchung und Gewinnung von Erdgas aus unkonventionellen Lagerstätten“ ausgeschrieben (PDF). Das Ergebnis soll eine Risikobewertung, eine Handlungsempfehlung und die Evaluierung bestehender rechtlicher Regelungen und Verwaltungsstrukturen sein.

Der Umfang der Studie schränkt das Untersuchungsfeld auf eher unkritische Bereich der unkonventionellen Gasförderung ein und schließt die Berücksichtigung von internationalen Erfahrungen aus. Statt dessen sollen nur die eher dürftigen Erfahrungen aus Deutschland und die von ExxonMobil bezahlten Ergebnisse des sogenannten “Dialogprozesses” berücksichtigt werden.

Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) hatte die Studie bereits im Sommer diesen Jahres angekündigt und gleichzeitig ein Moratorium für Hydraulic Fracturing bei unkonventionellen Gasvorkommen gefordert. Verbindlich ist das nicht und das Fracking konventioneller Gasvorkommen ist gar nicht betroffen. Die Ausschreibungsfrist zur Studie endet in wenigen Tagen. Zum Mai 2012 sollen Ergebnisse vorliegen.

Das Land Nordrhein-Westfalen hatte bereits im September 2011 eine Studie mit Risikoanalyse zur unkonventionellen Gasförderung ausgeschrieben. Die Ausschreibungsfrist ist beendet und nach Abarbeitung der zu erwartenden Einsprüche wird für Mitte November mit der Veröffentlichung der Auftragnehmer gerechnet. Die Studie des Landes NRW, soviel vorweg, ist deutlich umfangreicher als die Studie des Bundes, aber soll trotzdem zum Juni 2012 fertig sein.

Das Umweltbundesamt gestattet ausdrücklich, dass die Ergebnisse des ExxonMobil „Dialogprozesses“ und die Ergebnisse der Studie des Landes NRW Berücksichtigung finden sollen.

ExxonMobil will seine Ergebnisse im März 2012 veröffentlichen. NRW dagegen erst im Juli 2012 und damit deutlich nach dem Ende der Studie des Bundes. Der erste Teil könnte eventuell ebenfalls im März 2012 vorliegen, falls es nicht zu weiteren Verzögerung im Ausschreibungsprozess kommt.

Das nordrhein-westfälische Umwelt- und Wirtschaftsministerium hatte in seiner Ausschreibung ausdrücklich festgelegt, dass sich nur Institute bewerben dürfen, die keine Verbindungen zur gasfördernden Industrie haben. Aus dem gleichen Grund wurde abgelehnt, Ergebnisse des ExxonMobil „Dialogprozesses“ zu verwenden. Dieser wird nicht nur von ExxonMobil bezahlt, sondern auch noch von einem Mitarbeitenden des Helmholtz Institut geleitet. Das Helmholtz Institut beherbergt auch das GASH Projekt, welches sich mit dem Ausbau der Schiefergasförderung in Europa beschäftigen soll und ebenfalls von der Industrie – ExxonMobil, GDF Suez, Wintershall u.a. – finanziert wird.

Inhaltlich besteht die Studie des Bundes aus zwei Teilen. Der erste Teil soll die möglichen Umweltauswirkungen von Hydraulic Fracturing im Rahmen der unkonventionellen Gasförderung aufzeigen. Grundlage soll eigentlich die Stellungnahme des Bundesumweltamtes vom März 2011 sein.

  • Ermittlung und Bewertung der von Fracking ausgehenden Risiken für Grundwasser undTrinkwassergewinnung infolge unkontrollierter Rissbildung (Zerstörung der Barrierefunktion von Wasser abdichtenden Schichten)
  • Erstellung einer Übersicht der eingesetzten Stoffe, Prüfung der Rechtmäßigkeit der Verwendung, Bewertung der Chemikalien als Frac-Additive sowie des zu Tage geförderten Flowbacks (Frac-Fluide + Lagerstättenwasser)
  • Bewertung des Verbleibs der Fracking-Additive im Untergrund
  • Bewertung der Entsorgung/Wiederverwendung des Flowbacks (zurückgewonneneFracking-Additive sowie Lagerstättenwasser)
  • Ermittlung und Bewertung möglicher Verfahren ohne Einsatz chemischer Additive beim Fracking (beispielsweise „cavitation hydrovibration“ http://smarteconomy.typepad.com/smart_economy/2009/12/a-green-alternative-to- chemicalbased-hydraulic-fracturing-or-fracking-for-shale-gas-drillingcavitati.html
  • Aufzeigen der wichtigsten Wirkungspfade auf die Natur (Tiere und Pflanzen) durch die untersuchten wasserbezogenen Aspekte des Fracking
  • Falls möglich Erarbeitung von Handlungsempfehlungen für eine umweltgerechte Gewinnung von Erdgas aus unkonventionellen Lagerstätten.

Die Methodik zur Ermittlung wird in der Ausschreibung vorgegeben:

  1. Übersicht über die in Deutschland bisher erfolgten Fracs und Bewertung deren Umweltauswirkungen (bekannte Schadensfälle);
  2. Übersicht über eingesetzte Stoffe, Prüfung der Rechtmäßigkeit der Verwendung und Bewertung der eingesetzten Chemikalien sowie deren Eigenschaften.
  3. Ermittlung und Bewertung der unterschiedlichen Verwertungs- und Entsorgungswege des Flowbacks auf Umwelt und Natur
  4. Zusammenfassende Bewertung des Risikos welches vom Fracking für Mensch, Umwelt und Natur , insbesondere für das Grundwasser ausgeht.
  5. Falls möglich Entwicklung von konkreten Handlungsempfehlungen für eine umweltgerechte Gewinnung unkonventioneller Gasvorkommen (z.B. Einführung sog. Stresstests, gesichertes Qualitätsmanagement, Vermeidung systemischer Konstruktions-/ Betriebsfehler, Substitution gefährlicher Stoffe, Monitoringempfehlungen…)

Vergleicht man die Vorgaben des Umweltministers mit der Stellungnahme des Umweltbundesamtes vom März 2011, fällt auf, dass eine ganze Reihe wichtiger Punkte fehlt.

  • die schlechte Klimabilanz von Gas aus unkonventionellen Vorkommen
  • die fehlende Erfahrung der Industrie – gerade einmal 5 Fracks in unkonventionellen Vorkommen zählt der UBA Bericht auf
  • den hohen Flächenverbrauch im Verhältnis zur konventionellen Gasförderung
  • die Lärmbelastung während Bau- und Betriebes der Förderung – der UBA Bericht spricht von mehreren hundert LKW Fahrten pro Bohrplatz, bei wiederum mehreren hundert Bohrplätzen pro Gebiet.
  • Ausweisung von Ausschlussgebieten in sensiblen Bereichen
  • Berücksichtigung der Erfahrungen aus den USA. Hier schränkt das Umweltministerium – sogar explizit – auf die kaum vorhandenen Erfahrungen aus Deutschland ein

Komplett fehlen auch:

Ein wesentlicher Punkt der nordrhein-westfälischen Studie ist, dass der Prozess von einem Gremium von Interessenvertretern aus Industrie, Verbänden und Verwaltung begleitet werden soll.

Umweltminister Norbert Röttgen bleibt deutlich hinter den Vorschlägen des Umweltbundesamtes zurück. Vom Umfang der nordrhein-westfälischen Studie gar nicht zu sprechen. Übrig geblieben sind vor allem potentielle Risiken im tiefen Untergrund. Die Erfahrungen aus den USA zeigen, dass hier am wenigsten schief geht. Gerade da, wo das Risiko steigt und damit womöglich Einschränkungen der Förderung drohen, lässt der Bundesumweltminister nicht forschen.

Der zweite Teil der Studie soll dann prüfen, ob Wasser- und Bergrecht ausreichend sind, um mit den potentiellen Risiken umzugehen. Vorschläge für Gesetzesänderungen sollen – bei Bedarf – erarbeitet werden. Ausdrücklich wird die Umweltverträglichkeitsprüfung, aber auch der Begriff des Grundwassers genannt.

Zusammenfassend lässt sich feststellen

  • der Umfang der Studie ist viel zu gering, um auf dieser Basis tatsächlich fundierte Entscheidungen über die möglichen Risiken von Hydraulic Fracturing treffen zu können.
  • Ergebnisse einer von der Industrie bezahlten Studie sollen Berücksichtigung finden
  • Ergebnisse der deutlich umfangreicheren Studie des Landes NRW werden zum Zeitpunkt der Fertigstellung der Bundesstudie voraussichtlich noch nicht vorliegen und werden damit nur in Teilen einfließen
  • Wesentliche der vom Umweltbundesamt genannten Punkte werden nicht geprüft
  • Erfahrungen aus Ländern, in den Hydraulic Fracturing bei der unkonventionellen Gasförderung zum Einsatz kommt, werden explizit ausgeschlossen

Hier wird das Bundesumweltministerium und Minister Röttgen noch nachbessern müssen, wenn er seinen Versprechen gerecht werden will.

Quellen:
https://www.umweltbundesamt.de/service/ausschreibungen/ausschreibung371.zip
http://www.umweltbundesamt.de/chemikalien/publikationen/stellungnahme_fracking.pdf

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