Brüssel: Polen hält europäische Regulierung von Fracking für unausführbar

Gestern stellte die polnische Ratspräsidentschaft bei einem Treffen in Brüssel eine neue Studie vor, welche die europaweite Regulierung der unkonventionellen Gasförderung für „unausführbahr“ hält.

The paper, published by the Polish Institute of International Affairs, is called: „Path to prosperity or road to ruin? Shale gas under political scrutiny.“ It argues against a European approach to shale gas regulation, distancing itself from the earlier Polish position.

Hintergrund ist, dass Polen glaubt, durch die heimische Schiefergasförderung unabhängig von russischen Gaslieferungen zu werden. Dafür werden hunderte von Bohrungen vorbereitet. Große Konzerne wie ExxonMobil, Chevron und Conoco Phillips haben dafür Lizenzen auf fast einem Fünftel der polnischen Landesfläche bekommen.

Die Fokussierung auf einen endlichen, fossilen Energieträger in Polen hängt auch mit einer Lobbying Kampagne des amerikanischen Außenministeriums zusammen. Bereits im letzten Jahr wurde Werbung für die neuen Technologien gemacht haben, mit denen die bisher nicht förderbaren Bodenschätze zu Lasten der Umwelt gefördert werden könnten.

Viele andere europäische Staaten sind nicht so optimistisch. Sogar Energiekommissar Oettinger (CDU) hält inzwischen die förderbaren Mengen für nicht ausreichend, um in Europa auf eine Technologie zu setzen, die selbst in den USA nach 8 Jahren immer noch nicht richtig beherrscht wird.

Erst am Wochenende hatte Polen angedroht, jede Form von Regulierung der Schiefergasförderung auf europäischer Ebene mit einem Veto zu blockieren. Nun scheint Polen landesspezifische Regelungen zu befürworten, welche in Polen die Schiefergasförderung von strengeren Umweltauflagen frei halten könnte. Auch hier sind die USA Vorbild, die 2004 umfangreiche Ausnahmen für die unkonventionelle Gasförderung von den amerikanischen Luft- und Wasserschutzverordnung beschlossen haben. Frankreich und Deutschland würden sich darauf inzwischen wahrscheinlich nicht mehr einlassen.

Unterdessen kann Polen als Beispiel dafür dienen, wie ein massiver Ausbau der Gasförderung aussehen könnte. Nicht einige wenige, sondern hunderte Bohrungen mit dem entsprechenden Flächenverbrauch und gigantischen Mengen an zu entsorgenden Sondermüll werden ausgeführt. Ähnlich wie in den USA, sind die Ergebnisse nicht so gut, wie erwartet:

„Mit einem Fiasco endete eine weitere Testbohrung mit dem Namen Trzek-3. Weniger Gas als erwartet, strömte und dann hauptsächlich Wasser, teilte das Unternehmen Aurelian am Freitag mit. Bis zu 4 mal weniger Gas als erwartet, wurde gefunden. Für Aurelian sind die Ergebnisse enttäuschend. Jetzt soll erst einmal analysiert werden, warum vor allem Wasser, aber kaum Gas gefördert werden konnte.“

Das britische Unternehmen hatte die Bohrungen bereits seit zwei Jahren vorbereitet. Zuvor hatte es versprochen, bis zu 5% der in Polen benötigten Gasmenge fördern zu können. Erst vor wenigen Wochen warnte die New York Times vor einem „Platzen der Gasblase“ und legte zahlreiche Dokumente vor, in denen Brancheninsider vor nicht erfüllbaren Erwartungen warnten.

Quellen:
Poland lobbies against EU shale gas regulation | EurActiv.
Wasser statt Gas auch im dritten Versuch .

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