Denver: Gasindustrie diskutiert über “Kommunikationsfehler”

In Denver diskutierte die gasfördernde Industrie über die öffentliche Wahnehmung von Hydraulic Fracturing. Stand im Vorfeld der Diskussion noch die Umbenennung von “Fracking” in “Fracing” zur Diskussion, wird jetzt offen über “Kommunikationsfehler” gesprochen.

Der Geschäftsführer der Colorado Oil & Gas Association fand deutliche Worte:

“The shale gas industry has had its collective ass kicked, and kicked hard, by Gasland and others opposed to hydraulic fracturing and needs to redefine its core messages to defuse a burgeoning negative public perception of the controversial drilling technique.”

“Die Schiefergas-Industrie wurde von Gasland und anderen Gegnern von Hydraulic Fracturing hart  in den kollektiven Arsch getreten und muss nun ihre Kernbotschaften ändern, um die aufkeimende negative öffentliche Wahrnehmung der umstrittenen Bohrtechnik zu entschärfen.”

“aufkeimend” ist im Angesicht der weltweiten öffentlichen Proteste, Moratorien und Verbotsverfahren ein ziemlicher Euphemismus. Trotzdem hält es die Colorado Oil & Gas Accociation für notwendig, die Art ihrer Kommunikation zu ändern. Die Diskussion sei in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Demonstrierende dürften nicht mehr als “Spinner” betrachtet werden. Längst sind es Mütter, Väter und Großeltern, die sich Sorgen um die Zukunft ihrer Kinder machten.

“We have sources we are comfortable with,” she said, “and they reinforce our views. We need to go beyond that, even if it makes our blood boil, so we can learn the language used by our opposition and learn what they think. These nuts make up about 90 percent of our population, so we can’t really call them nuts any more. They’re the mainstream.”

Eine aktuelle Studie über die Glaubwürdigkeit der Öl- und Gasindustrie – schlechter als der amerikanische Kongress – lässt diese nun über eine Änderung der Strategie nachdenken:

  • Statt der Öl- und Gasindustrie sollen zukünftig andere Boten die “positiven Meldungen” überbringen. Insbesonders Universitätsprofessoren haben ein hohes Ansehen und seien besonders dafür geeignet.
  • Statt vorwiegend auf angenehme Informationsquellen zu setzen, welche die eigene Meinung bestätigen, soll sich künftig mehr mit der Meinung und Sprache der Gegner beschäftigt werden.
  • Akzeptanz von Kritikern, die es gut meinen und glauben, das sie wissen, was sie tun
  • Emotionale Natur des Dialoges akzeptieren. Es sei nicht effektiv, auf Emotionen mit Wissenschaft zu reagieren.
  • die wirtschaftliche Bedeutung von Hydraulic Fracturing soll in den Vordergrund gestellt werden.
  • mit Menschen zu diskutieren, statt sie zu überzeugen. Davon zu lernen, was sie wissen und denken..
  • Neupositionierung der Branche. Die gasfördernde Industrie muss mehr an junge Menschen appellieren und “hipper” werden. Dafür soll sich die Branche selbst nicht so ernst nehmen.

Ende des Monats findet ein weitere Kongress statt, bei dem sich die gasfördernde Industrie mit “hippen” Technologien wie Twitter und Facebook auseinander setzen wird, um auch dort direkt mit ihren “Gegnern” ins Gespräch zu kommen.

In Deutschland fühlt sich schon jetzt das Geoforschungsinstitut am Helmholtz Institut in Potsdam dafür zuständig, als “seriöser Bote” die “positiven Meldungen” der öl- und gasfördernden Industrie zu verbreiten. Die Helmholtz Institute werden zu 90 Prozent vom Bund finanziert.

Quelle:
http://www.naturalgaswatch.org/?p=939

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