USA: Schätzungen für technisch förderbare Gasmenge um 80 Prozent reduziert

Der Geologische Dienst der USA (US GS) hat neue Schätzungen über die technisch förderbaren Mengen an unkonventionellen Gasvorkommen im größten Fördergebiet der USA – dem Marcellus Shale – veröffentlicht.

Die neuen Zahlen liegen um 80 Prozent niedriger, als zuvor durch das Department of Engergy in einem Bericht vom April 2011 angenommen. Brisant ist daran, dass mit den völlig überhöhten Werten eine sichere Versorgung mit Erdgas für die nächsten 110 Jahre errechnet wurde. Statt dessen sind es jetzt nur noch wenige Jahre.

Die aktuellen Zahlen des Geologischen Dienstes gehen nur noch von 84 tcf (Trillion Cubic Feet) aus. Davon ist nur ein geringer Teil auch wirtschaftlich förderbar. Das US Department of Energy hatte erst im April 2011 einen Bericht veröffentlicht, nachdem die technisch förderbare Menge beim zehnfachen Wert – 827 tcf für die USA – und dem fünffachen Wert – 410 tcf – für den Marcellus Shale lagen.

Der daraus zuerst errechnete Wert von 110 Jahren Versorgungssicherheit musste schnell halbiert werden, weil vergessen wurde, den sinkenden Anteil konventioneller Gasreserven einzubeziehen. Nicht berücksichtigt wurde auch ein eventuell steigender Gasbedarf durch neue Gaskraftwerke oder die Umstellung von Autos auf Flüssiggas.

Die neuen Schätzungen stellen die momentan angedachte Umstellung der US-Energiewirtschaft auf einheimisches Gas in Frage.

Die Schätzungen bestätigen die Erfahrungen, das unkonventionelle Gasreserven nur für einen vergleichsweise kurzen  Zeitraum tatsächlich Gas liefern. Abfallraten von 60 bis 90 Prozent im ersten Jahr erfordern regelmäßige Wiederholungen des weltweit umstrittenen, teils verbotenen Hydraulic Fracturing. Selbst dann ist häufig nach 2 bis 3 Jahren Schluss.

Das ist sehr wenig im Verhältnis zur konventionellen Gasförderung, bei der 20 oder 30 Jahre lang Gas gefördert werden kann. Doch die konventionellen Reserven neigen sich in den USA, genau wie in Deutschland, ihrem Ende entgegen.

Mehrere große gasfördernde Unternehmen haben inzwischen anwaltliche Vorladungen erhalten, weil angenommen wird, dass die von ihnen gemeldeten Gasreserven deutlich höher liegen, als die tatsächlich verfügbare Menge. Da sich der Wert eines Unternehmens unter anderem auch an den Rechten für förderbare Mengen orientiert, wäre das ein Verstoß gegen die Bilanzierungsregeln.

Auch die für Nordrhein-Westfalen gemeldete Menge von 2200 Kubik-Kilometern, sollte in diesem Licht neu überprüft werden. Schon diese Zahl beschreibt nur die möglicherweise vorhandene Menge. Die technisch und wirtschaftlich förderbare Menge wird nach internationalen Erfahrungen nur ein Bruchteil davon sein.

Quellen:
http://www.bloomberg.com/news/2011-08-23/u-s-to-slash-marcellus-shale-gas-estimate-80-.html
USGS Releases New Assessment of Gas Resources in the Marcellus Shale
http://www.eia.gov/forecasts/aeo/pdf/0383(2011).pdf 

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