NRW: Gutachten mit Risikostudie zur unkonventionellen Gasförderung

Das Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz von Nordrhein-Westfalen hat eine Ausschreibung für ein

Gutachten mit Risikostudie zur Exploration und Gewinnung von Erdgas aus unkonventionellen Lagerstätten in Nordrhein-Westfalen und deren Auswirkungen auf den Naturhaushalt insbesondere die öffentliche Trinkwasserversorgung

veröffentlicht. Auch das Wirtschaftsministerium war an der Erstellung beteiligt.

Das Gutachten soll einen Überblick über die Art der Gasvorkommen geben, die Risiken für Umwelt und Trinkwasser aufzeigen, einen Kriterienkatalog für Ausschlussgebiete bieten, die Übertragbarkeit von Erfahrungen aus anderen Ländern bewerten und Öffentlichkeit und Genehmigungsbehörden eine Entscheidungsgrundlage an die Hand geben.

Seit März 2011 ruhen in Nordrhein-Westfalen alle Arten von Anträgen zur unkonventionellen Gasförderung. Das Land NRW hatte angekündigt, erst die Ergebnisse des nun ausgeschriebenen Gutachtens zur unkonventionellen Gasförderung abzuwarten, bevor eventuell unumkehrbare Fakten geschaffen würden.

Das Bundesbergrecht sieht ein solches indirektes „Moratorium“ nicht vor, aber in Nordrhein-Westfalen scheint es zu funktionieren. In den anderen konkret betroffenen Bundesländern – Baden-Württemberg, Thüringen und Sachsen-Anhalt – scheinen die Unternehmen ebenfalls das Ergebnis in NRW abzuwarten. In Niedersachsen ruht – auf freiwilliger Basis – die weitere Erkundung von Schiefer- und Kohleflözgasvorkommen.

Das Gutachten soll in vier Teile geglieder werden. Der erste Teil soll einen möglichst guten Überblick über Untergrundverhältnisse und Kriterien für Ausschlussgebiete geben. Nach Gasvorkommen getrennt sollen Erschließbarkeit, Deckgebirge, Tektonische Strukturen, Zusammensetzung von Lagerstättenwasser und die Gaszusammensetzung festgestellt werden.

Bisher wurde dazu immer gesagt, dass erst Probebohrungen einen genauen Aufschluss über die Untergrundverhältnisse liefern würden. Andererseits liegen aus der Historie des Bergbaus bereits viele Daten vor. Ob dazu auch der Anteil an Radium226, Quecksilber, Arsen und BTEX Chemikalien gehört, bleibt abzuwarten. Auch im Bergbau ist es nicht üblich, über den aktuellen Bedarf hinaus Informationen zu sammeln. Aussagen zu Störzonen und der Dichtigkeit des Deckgebirges lassen sich nicht pauschal abgeben, sondern müssen im Einzelnen ermittelt werden.

Interessant sind die Kriterien für Ausschlussgebiete. Das sind Gebiete, in denen die unkonventionelle Gasförderung von vornherein nicht erlaubt werden soll. Die Ausschreibung nennt als Beispiel Trinkwasserschutzgebiete, Heilquellenschutzgebiete, aber auch schutzwürdige Böden, FFH-Gebiete und Störfallanlagen. Aber auch Siedlungsgebiete sollen speziell berücksichtigt werden. Das Ergebnis soll in Form einer Karte für Nordrhein-Westfalen dargestellt werden Für jedes einzelne Ausschlussgebiet sollen Begründungen gefunden werden, die den Ausschluss rechtfertigen. Je nach Umfang der Radien wird dann in den bereits genehmigten Aufsuchungsgebieten mehr oder weniger Fläche für eine eventuelle Förderung übrig bleiben.

Das Gutachten soll aber auch einen Überblick über die bisher zur Anwendung gekommenen Techniken zur Erschließung der Gasvorkommen bieten. Diese sollen dann mit den bisher in Nordrhein-Westfalen angekündigten Techniken verglichen werden. Momentan will in Nordrhein-Westfalen keines der bekannten Unternehmen Hydraulic Fracturing grundsätzlich ausschließen. Aber auch beim Hydraulic Fracturing gibt es viele Ausprägungen, die mal mehr, mal weniger schädlich für die Umwelt sind.

Der zweite Teil des Gutachtens soll die Risiken für den Wasserhaushalt und andere Schutzgüter aufzeigen. Dabei sollen die Erkenntnisse aus dem ersten Teil der Studie verwendet werden. Untersucht werden soll konkret:

  • Beeinflussung des Deckgebirges und des Grundwassers durch Hydraulic-Fracturing Maßnahmen (Reichweite der Rissbildung und Beurteilung des Aufstiegs von Erdgas, Hydraulic Fracturing-Zusätzen und radioaktiven Stoffen)
  • Grundwasserabsenkung oder Abflussminderungen durch Wasserentnahmen
  • Untertägige/obertägige Verluste von Gas und des back flows (Bohrlochverrohrung, Transportleitung, Speicherbecken etc.)
  • Störfälle

Der dritte Teil des Gutachtens beschäftigt sich mit der „grundsätzlichen Beurteilung der Genehmigungsfähigkeit“. Dazu soll festgestellt werden, ob es über Modelle möglich ist, Aussagen zur Kontaminierung von Grundwasser durch Fracking-Chemikalien, Methan oder Lagerstättenwasser im Vorfeld zu machen.

Für Probebohrungen und eventuelle spätere Förderung sollen Vorgaben für ein Monitoring-Verfahren erarbeitet werden. Für die in Nordwalde beantragte wasserrechtliche Genehmigung hatte die untere Wasserbehörde im Kreis Steinfurt bereits festgestellt, dass sie nicht in der Lage ist, solche Kriterien ohne Hilfe von außen aufzustellen. Das Gutachten des Landes könnte dieses Problem für alle unteren Wasserbehörden in NRW zentral lösen.

Beim Monitoring sollen kontinuierlich das Grundwasser, austretendes Methangas, seismische Aktivitäten und die Frack-Flüssigkeit und das Brauchwasser überwacht werden.

Mit Abschluss des dritten Teils des Gutachtens, spätestens zum 31. März 2012, soll ein Zwischenbericht für die Landesregierung vorgelegt werden. Diese kann dann entscheiden, ob auch noch der vierte Teil des Gutachtens notwendig ist, der am 30. Juni 2012 vorgelegt werden muss.

Nachdem die grundlegenden Fragen des Risikos, die gesamten Umweltauswirkungen des Hydraulic Fracturing dargestellt und bewertet worden sind und die Möglichkeiten und Erfordernisse von Grundwassermonitoring und Modellierung erörtert wurden, findet jetzt im vierten Teil die Erarbeitung von Kriterien und technischen Massnahmen für begleitende Untersuchungen und die Entwicklung von Bewertungs- und Genehmigungsverfahren statt.

Der vierte Teil wird eine Art Handbuch für Genehmigungsbehörden, mit denen sie an vorher definierten Kriterien über Genehmigung oder Ablehnung von Anträgen in den „verbliebenen potentiellen Gewinnungsräumen“ entscheiden kann.

Besonders berücksichtigt werden sollen bei der Erarbeitung der Kriterien

  • Wasserwirtschaftliche Belange,
  • Auswirkungen auf Böden,
  • Naturschutzfachliche Belange,
  • Abfallwirtschaftliche Belange,
  • Immissionsschutzbelange,

aber auch die zuvor gewonnen Erkenntnisse über die Untergundverhältnisse, die anzuwendenden Fördermethoden und ihre jeweils spezifischen Risiken.

Die Erstellung des Gutachtens soll von einem Arbeitskreis mit Vertretern der Regierung, der Bergbehörde, des Geologischen Dienstes, der kommunalen Spitzenverbände, der Wasserbehörden, Naturschutzverbände, der Wasserversorgungswirtschaft aber auch der Bürgerinitiativen und der Lobby-Organisation der gasfördernden Industrie begleitet werden.

Für das Gutachten können sich europaweit Unternehmen bewerben. Auch Gemeinschaften aus Unternehmen sind möglich. Kriterien für die Vergabe sind Arbeits- und Zeitplan, Organisation des Projektteams, das Konzept zur Erstellung und der Angebotspreis.

Als Vorbild für das Gutachten wurde die Studie der amerikanischen Umweltbehörde EPA zur Auswirkung der Schiefergasförderung auf das Grundwasser von 2004 und die momentan in Vorbereitung befindliche Studie der EPA zu Hydraulic Fracturing genannt.

Quelle:
Leistungsbescheibung – Gutachten mit Risikostudie (PDF)

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