USA: Zwischenbericht zur Reduzierung von Umweltauswirkungen bei der Schiefergas Produktion

Das vorwiegend mit Vertretern der Industrie besetzte Unterkommitte zur Reduzierung der Umweltauswirkungen in der Schiefergasförderung hat seinen ersten Zwischenbericht erstellt.

Der Bericht bleibt in vielen Punkten unkonkret. Sehr direkt bestätigt er aber, dass es eindeutig Probleme mit der Schiefergasförderung gibt, die angegangen werden müssen. In nur 90 Tagen wurden die folgenden Empfehlungen erarbeitet, die im Bericht noch näher ausgeführt werden:

  • Verbessern der öffentlichen Informationen über Schiefergas Operationen
  • Verbessern der Kommunikation zwischen Bundesstaaten und Regierung
  • Verbessern der Luftqualität
  • Schutz der Wasserqualität
  • Offenlegung der beim Fracking eingesetzten Stoffe
  • Reduzierung der Verwendung von Diesel
  • Behandlung der kurzfristigen und kummulierten Einflüsse für Gemeinschaften, Natur und Ökologie
  • Entwicklung von Best-Practices
  • Forschung und Entwicklung

Der Auftrag von Präsident Obama lautete, Methoden zu entwickeln, mit denen die Folgen der Schiefergasförderung reduziert werden können.

„The Subcommittee’s charge is not to assess the balance of the benefits of shale gas use against these environmental costs. Rather, the Subcommittee’s charge is to identify steps that can be taken to reduce the environmental and safety risks associated with shale gas development and, importantly, give the public concrete reason to believe that environmental impacts will be reduced and well managed on an ongoing basis, and that problems will be mitigated and rapidly corrected, if and when they occur.“

„In der Verantwortung des Kommittes liegt es nicht die Vorteile der Schiefergasförderung gegen die Kosten für die Umwelt abzuwägen. Vielmehr ist die Aufgabe des Kommittes, Schritte zu identifizieren, mit den die Umwelt- und Sicherheitsrisiken, die mit der Schiefergasförderung verbunden sind, zu reduzieren, der Öffentlichkeit einen konkreten Anlass zu geben, zu glauben, das die Umweltauswirkungen fortlaufend reduziert werden und das Probleme abgeschwächt oder schnellstens beseitigt werden, wenn sie auftreten.

Konkret werden mögliche Fälle von der Verunreinigung von Trinkwasser mit Methan und der beim Fracking eingesetzten Chemikalien und die Luftverschmutzung genannt. Beachtenswert ist das fehlende „Mögliche / Possible“ bei Luftverschmutzung. Hier zeigte eine Studie der EPA erst kürzlich, das die Luftverschmutzung bei der unkonventionellen Gasförderung enorm ist und reduziert werden muss. Der Report bestätigt das ebenfalls.

The Subcommittee identifies four major areas of concern: (1) Possible pollution of drinking water from methane and chemicals used in fracturing fluids; (2) Air pollution; (3) Community disruption during shale gas production; and (4) Cumulative adverse impacts that intensive shale production can have on communities and ecosystems.

There are serious environmental impacts underlying these concerns and these adverse environmental impacts need to be prevented, reduced and, where possible, eliminated as soon as possible.

[…]Significant air quality impacts from oil and gas operations in Wyoming, Colorado, Utah and Texas are well documented, and air quality issues are of increasing concern in the Marcellus region
(in parts of Ohio, Pennsylvania, West Virginia and New York)

Warum erst jetzt Regeln zum Schutz von Mensch und Natur erarbeitet werden sollen, obwohl das Verfahren doch angeblich schon seit mehr als 60 Jahren millionenfach angewendet wurde, findet sich in einem Nebensatz:

But it was only in 2002 and 2003 that the combination of two technologies working together – hydraulic fracturing and horizontal drilling – made shale gas commercial.

Aber erst 2002 und 2003 wurden zwei Technologien vereint  – Hydraulic Fracturing und Horizontalbohrungen – die Schiefergas wirtschaftlich machten.

Zur Verbesserung der Informationslage, schlägt der Bericht vor, möglichst viele Informationen öffentlich zu machen, sinnvoll aufzubereiten und unter einander zu vernetzten. Für die Verbesserung und den Ausbau der Kommunikation sollen bestehende Institutionen  finanziell unterstützt werden. Diese könnten dann auch die Kommunikation zwischen den Bundesstaaten verbessern.

Zur Verbesserung der Luftqualität, sollen Unternehmen zukünftig alle Emissionen aufzeichnen. Insbesonders Methan, giftige Gase und andere Schadstoffe. Grenzwerte müssten dann eingeführt und kontrolliert werden. Neben der eigentlichen Bohrung sollten auch alle anderen Aktivitäten wie Transport und Auslieferung berücksichtigt werden.

Auch der Schutz des Wassers in allen Phasen von der Einrichtung bis zur Entsorgung soll künftig strenger geregelt werden. Zukünftig sollte lückenlos erfasst werden, wie viel Wasser eingesetzt, verbraucht und entsorgt wird. Risiken werden insbesonders durch mangelhaft eingerichtete Bohrungen, Blowouts und Überflutungen sowie bei der Handhabung von Brauch- und Lagerstättenwasser gesehen.

Eine grundsätzliche Offenlegung aller beim Fracking eingesetzten Stoffe empfiehlt der Bericht zwar, aber gleichzeitig schränkt er diese Aussage mit der Ausnahme von rechtlich geschützten Chemikalien und Verbindungen wieder ein. Die Veröffentlichung soll in einer öffentlichen Datenbank erfolgen, über die pro Bohrung exakte Auskünfte gegeben werden können. Die Daten sollen zur Weiterverarbeitung geeignet sein.

Die Verwendung von Diesel sollte nach Meinung des Kommittes vollständig ausgeschlossen werden. Momentan wird es immer noch beim Hydraulic Fracturing eingesetzt. In Deutschland hat ExxonMobil erst vor kurzem 25.000 Liter Diesel für einen Lagerstättendrucktest in den Boden gepumpt. Aber auch die Generatoren, die auf den Bohrplätzen über mehrere Monate, 24 Stunden am Tag und 7 Tage die Woche laufen, sollten durch elektrisch oder mit Gas betriebene Generatoren ersetzt werden. Diesel stellt ein großes Risiko für die Gesundheit dar. In Australien wurde der Einsatz inzwischen verboten, nachdem Spuren im Grund- und Trinkwasser in der Nähe von Bohrungen gefunden wurde.

Der momentane Ausbau der Schiefergasförderung überlastet  die Bevölkerung und Natur, so der Bericht.

The combination of impacts from multiple drilling and production operations, support infrastructure (pipelines, road networks, etc.) and related activities can overwhelm ecosystems and communities.[…]

  • Declare unique and/or sensitive areas off-limits to drilling and support infrastructure as determined through an appropriate science-based process.

Neben einer besseren Einbindung und Information der betroffenen Stellen wird auch konkret die Einrichtung von Schutzzonen empfohlen, in den nicht gebohrt werden soll. Der Staat New York arbeitet bereits an solchen Schutzzonen und will Fracking in der Nähe von Trinkwasser vollständig verbieten.

Seine Nähe zur Industrie – neben der nicht vollständigen Offenlegung aller eingesetzten Stoffe – zeigt der Bericht dann doch noch in einem letzten Punkt. Zwar soll die Erforschung der unkonventionellen Gasförderung stark ausgebaut werden. Bezahlen soll dafür aber der Staat und nicht nicht die gasfördernde Industrie.

90 Tage nach Veröffentlichung des ersten Teils, soll ein zweiter Bericht veröffentlicht werden.

ExxonMobil reagierte bereits auf den ersten Report. Einerseits wurde begrüßt, dass die angeblichen Vorteile von Schiefergas herausgestellt wurden, doch sei man mit den Einschätzungen ansonsten nicht einverstanden. Es entstünde der Eindruck, die Schiefergasförderung sei noch nicht genügend geregelt. Außerdem wäre kein Versuch gemacht worden, das Kosten/Nutzen Verhältnis der Vorschläge zu bewerten.

ExxonMobil empfiehlt daher, kurzfristig erfahrene Vertreter der Industrie in die Kommission zu berufen. Ohne diese wäre der Berich sonst unvollständig.

„The absence of industry representation meant an absence of knowledge about operational practices – and as a result, the report has a couple disappointing features.“

Quelle:http://www.exxonmobilperspectives.com/2011/08/12/the-seab-shale-gas-report/

Der Zwischenbericht spricht von „ernstzunehmenden Umweltfolgen, welche die Sorgen unterstreichen“, ExxonMobil dagegen von „Annahmen, die aus emotionalen Appellen, statt aus der Realität abgeleitet werden“.

Quelle:
http://www.shalegas.energy.gov/

1 Kommentare.

  1. Pressespiegel 33. KW 2011 « Gegen Gasbohren… - pingback on 21. August 2011 um 08:59

Trackbacks und Pingbacks: