USA: Neue Studie – Schiefergas und die nationale Sicherheit der USA

Das Baker Institute veröffentliche diesen Monat eine Studie über den Einfluss der weltweiten Schiefergasförderung auf die nationale Sicherheit der USA. Der Ausbau der unkonventionellen Gasförderung könnte als Druckmittel gegen Staaten wie Russland, Venezuela und Iran eingesetzt werden.

Dafür müßte nur sichergestellt werden, das der Bedarf nach fossilem Gas gleib bleibt oder sogar noch steigt. Regelungen, die ein Wachstum der Gasindustrie verhindern – Steuern, Umweltschutzvorschriften oder Bevorzugung regenerativer Energien – dürften nicht noch weiter ausgebaut sondern müßten eher zurückgefahren werden.

Sponsoren der Studie waren ExxonMobil, BP, ConocoPhilips, Schlumberger, Shell und andere Unternehmen aus dem Bereich der fossilen Energieträger. Ein konkreter Vorschlag ist unter anderem, die Fahrzeugflotte der USA auf Flüssiggas umzustellen. Sollten doch – laut Studie energieeffizientere – Elektrofahrzeuge eingeführt werden, sollte der Strom dafür aus Gaskraftwerken stammen.

Der Schwerpunkt der Studie ist allerdings der sicherheitspolitische Aspekte und läßt alte Feindbilder erahnen:

„U.S. coalitions with European nations are an important element to U.S. national security, including efforts to combat international terrorism and prevent humanitarian crises. An energy-independent Europe will be better positioned to join with the United States in global peacekeeping and other international initiatives that might not have the full support of Russia.“

Die Koalition zwischen Europa und den USA ist ein wichtiges Element der amerikanischen Sicherheitspolitik, einschließlich der Bemühungen im Kampf gegen den internationalen Terrorismus und die Abwendung humanitärer Katastrophen. Ein energieunabhängiges Europa wäre besser in der Lage, die USA bei der weltweiten Friedenssicherung und bei internationalen Initiativen zu begleiten, auch wenn diese nicht die volle Unterstützung von Russland haben.

Auch eine Schwächung des Irans wird als positiver Effekt der unkonventionellen Gasförderung genannt:

„[…], the circumstance of lower requirements for Iranian natural gas could make it easier for the United States to achieve buy-in for continued economic sanctions against Iran.“

Die Folgen von niedrigerer Nachfrage nach iranischem Gas könnten es für die Vereinigten Staaten einfacher machen, ökonomische Sanktionen gegen den Irak aufrecht zu erhalten.

Die Vermeidung von Konfliken mit Indien über eine geplante Gaspipeline Richtung Iran wird von der Studie ebenfalls als möglicher Vorteil gesehen. Genau wie die Möglichkeit, Venezuelas Wachstum als Flüssiggas Exporteur einzuschränken.

„[…] Reduces the op portunity for Venezuela to become a major LNG exporter and thereby lowers longer-term dependence in the Western Hemisphere and in Europe on Venezuelan LNG“

Die möglichen Hinderungsgründe für eine positive Entwicklung der unkonventionellen Gasförderung, welche die Studie auch beschreibt, sind wenig überraschend. In Europa wird unter anderem die Ausrichtung auf regenerative Energien kritisiert. Als störend wird auch der CO2 Zertifikate Handel gesehen.

„In particular, many European countries have proactive policies that in some cases favor competing resources (renewables, nuclear, etc.). These types of policies could also serve as a brake on shale investment by limiting overall demand for the resource.“

Im speziellen haben viele europäische Länder proaktive Regeln, die in einigen Fällen konkurrierende Energien (Erneuerbare, Nukleare, etc) bevorzugen. Diese Regeln könnten als Bremse auf Schiefergas-Investitionen wirken, indem sie den generellen Bedarf für diese Resource senken.

Einige Staaten der USA diskutieren schon seit längerem über die Einführung von Steuern auf die Schiefergasförderung. Ein weiterer Aspekt ist die mögliche Streichung von Steuervorteilen für die Öl- und Gasindustrie. Selbst große Unternehmen mit Milliardengewinnen, wie ExxonMobil, zahlen dort nur wenig oder überhaupt keine Steuern.

„In particular, changes in certain tax policies […] could also render investments in shale exploration and production unprofitable at current prices.“

Um den schlechte Ruf der Schiefergasförderung in den USA und Frankreich – hier wurde die Verwendung von Hydraulic Fracturing zur Förderung im Juni verboten – sollte man sich kümmern:

„In particular, environmental concernsregarding the use and potential contamination of water resources have recently dominated the news headlines in the United States and France and therefore are among the kind of major issues that will need to be addressed before governments will allow full realization of shale’s growth potential.“

Für China sieht die Studie noch ein spezielles Problem. Der enorme Wasserverbrauch, der mit der Förderung einher geht, kann nicht in allen Regionen gedeckt werden. Gleiches gilt wahrscheinlich auch für Australien, Südafrika und Südeuropa, die in der Studie aber nicht gesondert genannt werden.

„In China, for example, water availability for hydraulic fracturing may considerably diminish the potential for domestic shale development in certain regions.“

Die Studie erlaubt einen Einblick in die Denkweise eines industrienahen Institutes, das die einseitige Bevorzugung eines Wirtschaftszweiges durch Steuergeschenke und Regelerleichterungen fordert, um eine ganze Volkswirtschaft in eine energiepolitische Sackgasse zu führen.

Quelle:
http://bakerinstitute.org/publications/EF-pub-DOEShaleGas-07192011.pdf (6 MB PDF)

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