ExxonMobil stolpert über eigene Strategie und reißt RWE DEA gleich mit

ExxonMobil bestreitet seit Monaten, dass es durch den Einsatz von Hydraulic Fracturing zu Umweltschäden und Verunreinigungen von Trink- und Grundwasser kommen kann. Es wird auf jahrzentelange Erfahrung in Deutschland verwiesen und auf einen störungsfreien Betrieb. Doch weltweite Meldungen über Unfälle, Urteile und Klagen sowie aktuelle Studien, zeigen ein anderes Bild. Dieser Widerspruch in der Darstellung könnte jetzt auch Folgen für die Erdgassuche in Niedersachsen haben und reißt RWE DEA gleich mit in die Argumentationsfalle.

In Niedersachsen wird im Bereich der unkonventionellen Gasförderung vorwiegend Tight Gas (Gas in festen Gesteinsschichten) gefördert. Bei Tight Gas ist der Übergang zwischen konventioneller und unkonventioneller Förderung fließend, da mit steigender Undurchlässigkeit auf Horizontalbohrungen und Hydraulic Fracturing zurückgegriffen werden muss.

In Schiefergas – wie im südlichen Ruhrgebiet im Aufsuchungsgebiet von Wintershall – ist die Förderung ausschließlich mit dem weltweit umstrittenen, teils verbotenen Verfahren möglich. Bei CBM Lagerstätten – vorwiegend im nördlichen Ruhrgebiet und im Münsterland – wird in 9 von 10 Fällen Hydraulic Fracturing angewendet um eine wirtschaftliche Förderung überhaupt zu ermöglichen.

HammGas, ThyssenGas Thyssen Vermögensverwaltung und andere wollen sich nach eigenen Aussagen auf die 10% Ausnahmen konzentrieren, in denen sie ohne Hydraulic Fracturing auskommen. Vielleicht auch aus Angst, das schlechte Image könnte die eigenen Investitionen gefährden oder gleich ganz unmöglich machen.

Doch ExxonMobil startete den „Informations- und Dialogprozess der ExxonMobil über die Sicherheit und Umweltverträglichkeit der Fracking-Technologie für die Erdgasgewinnung“ und machte damit gleichzeitig deutlich, dass sie nicht vorhaben, auf Hydraulic Fracturing zu verzichten.

Die Strategie von ExxonMobil Deutschland orientierte sich dabei am weltweiten Verhalten der Branche, die Risiken leugnet und nicht einzuhaltende Versprechungen über Fördermengen, Versorgungssicherheit und „Klimafreundlichkeit“ in den Vordergrund stellt.

Diese einseitigen und häufig widerlegten Darstellungen haben viel Vertrauen zerstört und das Ergebnis sind jetzt Verbotsverfahren auf Landes-, Bundes- und EU-Ebene.

Auch RWE Dea distanziert sich deutlich von der unkonventionellen Gasförderung:

„RWE Dea hat in Deutschland keine Aktivitäten im Bereich des unkonventionellen Erdgases aus Shale-Gas und Kohleflözgas-Lagerstätten und plant auch keine.“

Allerdings schreibt RWE Dea auch:

„RWE Dea beobachtet das Thema „Unkonventionelles Erdgas“ vor allem aus der Forschungs- und-Entwicklungssicht, da das Unternehmen erst einmal tieferen Einblick in Potenzial und Machbarkeit erlangen will. Shale-Gas-Projekte haben derzeit bei RWE Dea geringe Priorität.“

Da die konventionellen Förderstätten – zumindest in Deutschland – in der Summe immer weniger Ertrag bringen, wird RWE Dea auf Dauer nicht um die unkonventionelle Gasförderung herum kommen, wenn sie weiter auf fossile Energieträger setzen wollen.

Doch die Kritik in Deutschland, Europa und weltweit richtet sich vornehmlich gegen die unkonventionelle Gasförderung. Der Versuch, die Harmlosigkeit des Verfahrens durch Vergleiche mit der konventionellen Gasförderung in Niedersachsen zu begründen, ist nach hinten los gegangen.

Jetzt müssen RWE Dea und ExxonMobil plötzlich auch Erklärungen für die über 500.000.000 Liter Lagerstättenwasser finden, in denen Quecksilber, Arsen, radioaktives Radium-226 und große Mengen Salze, aber eben auch die beim Fracking eingesetzten Chemikalien stecken. 500.000.000 Liter ist nur die Zahl, die von ExxonMobil bisher für das Jahr 2010 genannt wurde. Darin enthalten ist noch nicht das Frackwasser.

Mit einem pauschalen Verbot von Hydraulic Fracturing bei der Gasförderung könnte auch die konventionelle Gasförderung nicht mehr wirtschaftlich betrieben werden. Gesetzliche Regelungen müssten also stärker die exponentielle Steigerung bei Förderplätzen, Frackvorgängen, Sondermüll, Umweltbelastungen und nicht zuletzt auch der Gefahr von Unfällen berücksichtigen, wie sie mit der unkonventionellen Gasförderung einher geht.

Für Europa schätzt eine aktuelle Studie der EU, das gerade einmal 2 bis 3 Prozent des benötigten Gases aus unkonventioneller Förderung möglich wären. Bei mindestens 400 Bohrungen pro Jahr, die jeweils 3 Monate dauern und mit Milliarden Litern verseuchten Wassers, Millionen Tonnen teils radioaktiver Abfälle und einem gigantischen Flächenverbrauch – oberirdisch und unterirdisch – verbunden wären. Gleichzeitig wären die angestrebten Klimaziele und die geplanten CO2 Einsparungen nicht mehr zu erreichen.

Die konventionelle Gasförderung in Deutschland wird – in wirtschaftlich relevanten Mengen – in den nächsten Jahrzehnten auslaufen. Für die unkonventionelle Gasförderung sieht es momentan schlecht aus. In den nächsten Monaten wird sich zeigen, welche Formen erlaubt und welche Formen verboten werden. Gut ist, das all das für die Versorgungssicherheit in Europa letztlich keine Rolle spielt. Es geht nur um kurzfristige Gewinne für einige wenige Unternehmen.

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