USA: Von 9000 Bohrungen nach unkonventionellem Erdgas sind nur 10 Prozent kostendeckend

Die New York Times hat mehrere hundert Seiten interner Konferenz der Erdgasindustrie veröffentlicht. Die Wirtschaftlichkeit der unkonventionellen Gasförderung wird darin deutlich in Frage gestellt. Nur wenige Bohrungen erfüllen tatsächlich die Erwartungen und Versprechungen der Unternehmen.

Abfallraten von 60 bis 90 Prozent in den ersten Monaten waren schon länger kein Geheimnis mehr. Durch multiples Fracking, was die Menge der anfallenden Abwässer deutlich erhöht und auch die Kosten der Gewinnung steigert, konnten kurzfristig die Fördermengen gesteigert werden. Doch die ursprünglichen Förderzeiträume von 20 und mehr Jahren scheinen durch die Erfahrungen der letzten Jahre nicht belegt zu werden.

2006 versprach Chesapeake Energery dem Flughafen Dallas / Fort Worth das unkonventionelle Gas auf dem Gelände des Flughafens zu fördern. Enorme Einnahmen über die nächsten Jahrzehnte wurden versprochen. 73 Quadratkilometer Fläche wurden fast vollständig horizontal gefrackt. 2008 wurden zwei Disposalbohrungen eingerichtet, um die großen Mengen an Abwässern zu entsorgen. Kurz danach kam es zu mehreren Erdbeben. 2010 stellte Chesapeake Energy die Förderung dann komplett ein. Die Betreiber des Flughafens fühlten sich getäuscht und klagen jetzt auf Entschädigung.

Kritisch sind solche Versprechen, weil die Gasindustrie momentan den Eindruck erweckt, sie könnte auf Jahrhunderte billiges Gas liefern. Insbesonders die USA richten ihre Politik momentan auf diese Versprechungen ein. Einzelne Staaten wollen ihre Fahrzeugflotte auf gasbetriebene Fahrzeuge umstellen.

„If the industry does not live up to expectations, the impact will be felt widely. Federal and state lawmakers are considering drastically increasing subsidies for the natural gas business in the hope that it will provide low-cost energy for decades to come.“

Auch Anwohnern wurden enorme Einnahmen versprochen, wenn sie ihr Land für Gasbohrungen zur Verfügung stellen. Doch diese bleiben häufig aus, weil die Erträge aus der Förderung nicht einmal die hohen Kosten der Bohrungen – oft mehrere Millionen Dollar – decken. Teilweise werden Pachtverträge schon wieder aufgehoben. Anwohner fühlen sich betrogen und klagen.

„Energy companies rescinded high-priced lease offers to thousands of residents, which prompted class-action lawsuits. Royalty checks dwindled. Tax receipts fell.“

Ein Geologe des Unternehmen Conoco – bekannt durch seine wegen Unwirtschaftlichkeit abgebrochene Fracking-Versuche in Nordrhein-Westfalen – warnt ebenfalls vor überzogenen Erwartungen; nennt die Gewinnung von Schiefergas den weltweit unwirtschaftlichsten Bereich.

„In September 2009, a geologist from ConocoPhillips, one of the largest producers of natural gas in the Barnett shale, warned in  an e-mail to a colleague that shale gas might end up as “the world’s largest uneconomic field.”“

Belegen lässt sich das durch Auswertungen der Wirtschaftlichkeit von 9000 Bohrungen aus den Jahren 2003 bis 2009. Nur 10 Prozent der Bohrungen haben in sieben Jahren Betrieb die Kosten ihrer Einrichtung und des Betriebs gedeckt.

„A review of more than 9,000 wells, using data from 2003 to 2009, shows that — based on widely used industry assumptions about the market price of gas and the cost of drilling and operating a well — less than 10 percent of the wells had recouped their estimated costs by the time they were seven years old.“

Was sind also die Gründe, das die Unternehmen überhaupt weiter nach unkonventionellem Gas suchen, wenn die Wirtschaftlichkeit so in Frage steht?

Ein Aspekt ist das Spekulieren auf steigende Gaspreise. Durch die Industrialisierung der Produktion durch tausende Bohrungen rechnen die Unternehmen auch mit sinkenden Kosten. Durch multiples Fracken kann die Leistung kurzfristig gesteigert werden.

Dem entgegen stehen aber steigende Kosten für die Entsorgung der hochgiftigen Abfälle aus Produktion und Förderung sowie steigende Strafgelder durch Schäden bei Unfällen.

Pennsylvania hat erst vor kurzem das Verklappen von Abwässern aus der Gasförderung in Flüssen verboten. Die gasfördernden Unternehmen müssen jetzt zusätzlich für die Entsorgung in Disposalbohrungen in Ohio zahlen. In vielen Staaten sind außerdem Steuern im Gespräch, mit denen die Schäden aus der Industrialisierung teilweise ausgeglichen werden sollen.

Ob, wie von der New York Times vermutet, die „Blase“ Unkonventionelle Gasförderung platzen könnte, bleibt abzuwarten. Momentan können gerade die großen der Branche das Geschäft mit Einnahmen aus der konventionellen Öl- und Gasförderung stützen. Halten sie durch – und steigt der Gaspreis – könnten sie am Ende doch noch Profit machen. Das Versprechen vom billigen Gas bliebe allerdings auf der Strecke.

Quelle:
http://www.nytimes.com/interactive/us/natural-gas-drilling-down-documents-4.html

2 Kommentare.

  1. Pressespiegel 26. KW 2011 « Gegen Gasbohren… - pingback on 3. Juli 2011 um 10:05