Bundesministerium für Umwelt sieht jetzt Risiken durch unkonventionelle Gasförderung in Verbindung mit Fracking

Das Bundesministerium für Umwelt war noch im März 2011 durch eine wenig fundierte und unkritische Betrachtung der unkonventionellen Gasförderung in die Kritik geraten. Zu diesem Zeitpunkt schienen dem Ministerium nur Informationen der Lobby-Verbände der gasfördernden Unternehmen vorzuliegen. Das scheint sich jetzt geändert zu haben, denn das Ministerium von Umweltminister Norbert Röttgen sieht nun auch die möglichen Risiken für Mensch und Natur.

„Durch das Aufsuchen und die Gewinnung von nicht konventionellen Erdgasvorkommen können Gefahren für die Grundwasserbeschaffenheit und für die Trinkwassergewinnung entstehen.“

Beeinträchtigungen der Umwelt sind in jeder Phase des Förderprozesses denkbar. Dazu zählen:

  • Lärm- und Luftemissionen
  • großer Flächenverbrauch
  • hoher Wasserbrauch
  • Verunreinigung von Grund- und Trinkwasser

Auch die Beimischung toxischer, karzinogener und mutagener Chemikalien beim Fracking wird für ein weiteres Risiko gehalten. Die fehlende Transparenz über die bisher in Deutschland eingesetzten Chemikalien wird deutlich kritisiert.

Selbst im vom ExxonMobil initiierten Dialogprozess sprechen die Toxikologen von bislang nicht zu bewertenden Risiken der trotz hoher Verdünnung weiterhin toxisch bleibenden Wirkstoffe. Dort konzentriert man sich auf gerade 3 der bisher über 750 bekannten – beim Fracking eingesetzten – Chemikalien

Aber auch wenn beim Fracking reines Wasser verwendet würde, blieben weitere Risiken erhalten.

„Mögliche Umweltbeeinträchtigungen entstehen für das Grund- und Oberflächenwasser laut Umweltbundesamt durch die Lagerung Wasser gefährdender Chemikalien, die Bohrungen selbst, welche i.d.R. durch Grundwasser leitende Schichten führen, sowie durch die unkontrollierte Erzeugung von Klüften, durch die es dann zum Kontakt mit Wasser führenden Schichten kommen kann.

Des Weiteren bestehen Risiken für die Gewässer bei der Entsorgung der Frac-Fluide und des während der Erdgasförderung zusätzlich geförderten Lagerstättenwassers. Dieses ist hoch mineralisiert und teilweise radioaktiv, aber auch mit der eingepressten Frac-Flüssigkeit vermischt.“

Das Ministerium sieht ein Problem beim Mangel an wissenschaftlichen Erkenntnissen über die genauen Risiken, deren Folgen in vielen Ländern weltweit zu beobachten sind. Das Verfahren wird trotzdem weiterhin in Deutschland eingesetzt. Zuständig für den Gewässerschutz und für das Aufstellen von Regeln seien die Länder, so dass Umweltministerium.

In Nordrhein-Westfalen werden aus diesem Grund momentan keine Anträge auf den Einsatz von Hydraulic Fracturing bei der Gasförderung genehmigt. Doch in Niedersachsen sind für dieses Jahr noch mehrere Frackings durch RWE DEA und ExxonMobil angekündigt.

Hier zeigt sich das Problem einer fehlenden bundesweiten Regelung für den Umgang mit einer Hochrisikotechnologie, deren Folgen in weiten Teilen heute noch gar nicht abschätzbar sind. Der Hinweis des Bundes ist nach geltendem Recht nicht bindend, aber eine Empfehlung, die von den Bundesländern verstanden werden dürfte.

Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg dürften sich bestätigt fühlen, während in Niedersachsen – trotz der hohen finanziellen Einnahmen – eine Überprüfung der bestehenden Genehmigungspraxis anzuraten ist.

Quelle:
http://www.bmu.de/binnengewaesser/grundwasser/doc/print/47484.php

1 Kommentare.

  1. Pressespiegel 24. KW 2011 « Gegen Gasbohren… - pingback on 18. Juni 2011 um 09:36

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