Großbritannien: Neubetrachtung der Risiken von Hydraulic Fracturing nach Erdbeben?

Die Financial Times schreibt „Why we all need to know more about fracking“ – „Warum wir alle mehr über Fracking wissen müssen“  und regt damit eine Neubetrachtung der Risiken von Hydraulic Fracturing in Großbritannien an.

Noch im Mai verkündete der Vorsitzende des Ausschusses für Energie und Klima Tim Yeo:

„There appears to be nothing inherently dangerous about the process of ‚fracking‘ itself and as long as the integrity of the well is maintained shale gas extraction should be safe.“
Quelle: http://www.theregister.co.uk/2011/05/24/shale_gas_scares_squashed/

Doch im Gesprächsprotokoll der Ausschusssitzung, die Grundlage für die Entscheidung des Ausschusses war, finden sich auch viele Unsicherheiten bei den befragten Experten:

Q57 Dr Lee: Geologically, is there a concern? Are we sure about where the aquifers are for sure, 100%? Are we sure? Without wanting to suggest for a second that it necessarily contaminates water, my point is the level of uncertainty that I am trying to get down to from a geological perspective.

Professor Richard Selley […] There [Konventionelle Öl- und Gasförderung] we can be pretty robust, but if I come back to shale gas, it is much more fuzzy. Think hydrogeology, think aquifers, rather than a confined, restricted trap.
Quelle: http://www.publications.parliament.uk/pa/cm201011/cmselect/cmenergy/c795-i/c79501.htm

Professor Selley bestätigt, dass es im Zusammenhang mit Schiefergas viel Ungewissheit gibt. Bei der konventionellen Öl- und Gasförderung lassen sich die Grenzen zwischen Öl und Wasser, Gas und Wasser und Öl und Gas leicht erkennen. Eine Gefährdung des Wassers – auf die sich die Frage von Dr. Lee bezog – schließt er nicht explizit aus.

Q55 Dr Lee: Forgive me for this open question from an ignorant position, but is there anything you are not sure of, that you are concerned about or that you have concerns about? Is there any uncertainty about the exploration of shale gas?

Professor Richard Selley: Surely, repeatedly in our evidence we have passed, ducked the question and said, „You would do better to ask the engineers, better to ask the economists,“ and so forth.
Quelle: http://www.publications.parliament.uk/pa/cm201011/cmselect/cmenergy/c795-i/c79501.htm

Professor Selley bestätigt, dass es viele Unsicherheiten gibt und dass auch er Bedenken hat.

Auffällig ist, dass in der Einschätzung der Geologen, aktuellere Erkenntnisse und Ereignisse zu den Risiken der unkonventionellen Gasförderung keinen Eingang gefunden haben. Befragt zu den Risiken erwähnen sie nur den Film Gasland und zwei, inzwischen widerlegte, Vorkommnisse.

Im Verhältnis zu dieser Liste mit über 100 Berichten zu Wasser Kontaminierungen und weiteren Folgen, durch Wasserentnahmen, überlastenden Druck auf Gasbohrungen, Gaswanderung aus neuen und verlassenen Gasbohrungen, ungeeignete Entsorgung von Frack- und Lagerstättenwasser, Disposalbohrungen so wie Unfälle und auslaufende Flüssigkeiten ist das relativ wenig und bestimmt keine umfassende Betrachtung der möglichen Risiken.

So sagt auch Tim Yeo, Vorsitzender der Kommission, dass sie zum Beispiel die Gefahren durch Erdbeben im ersten Report nicht berücksichtigt haben.

„But he admitted that the earthquake threat was not one they considered in the original report, and that there remained the possibility that the rest of the committee could recommend they take a closer look when the house reconvenes next week.“

Wegen eines zweiten Erdbebens – direkt an der Stelle in Lancashire, an der Cuadrilla momentan Frackings durchführt – ruhen alle weiteren Fracking Maßnahmen, bis mehr über Ursachen und Folgen bekannt ist.

Quelle:
Why we all need to know more about fracking – Financial Times – FT.com

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