Polnische EU Ratspräsidentschaft will Schiefergasförderung und Fracking in Europa

Ab Juli führen die Polen die europäische Union für ein halbes Jahr. Einer der Schwerpunkte der polnischen Ratspräsidentschaft soll die Schiefergasförderung und die europaweite Nutzung der weltweit umstrittenen Fracking Technologie sein.

„Poland said the development of shale gas across the EU should obtain the status of „a common European project,“ adding that it intends to promote the development of unconventional gas during its upcoming EU presidency.“

Die Förderung von Schiefergas in der gesamten EU sollte den Status eines „gemeinsamen europäischen Projektes“ bekommen. Polen beabsichtigt die Förderung von unkonventionellen Gas während seiner EU Ratspräsidentschaft zu bewerben.

Dahinter stecken in erster Linie wirtschaftliche Interessen:

„Marek Karabuła, vice-president of the Polish Oil and Gas Company (PGniG), used a technical term from shale gas development, saying that there was a need to „crack the minds of people“ with respect to shale gas“

„Die Meinung der Menschen in Bezug auf Schiefergas müsse „aufgebrochen“ werden, sagt der Vize Präsident der Polnischen Öl und Gasfirma (PGniG).

He said that despite videos circulating on social media presenting shale gas as a threat to the environment and a danger to consumers, awareness would be raised in Polish society that shale gas is „good“ and „safe“.

„Abgesehen von Videos, die in sozialen Netzen zirkulieren und Schiefergas als Bedrohung für die Umwelt und eine Gefahr für die Verbraucher darstellen, sollte in Polen Aufmerksamkeit darauf gerichtet werden, das Schiefergas „gut“ und „sicher“ ist.

Polen glaubt, mit einer ausreichenden Förderung von unkonventionellem Gas in der EU, könnte die Abhängigkeit vom russischen Gas reduziert oder zumindest ein Druckmittel für den Preis aufgebaut werden.

In Polen haben bereits Probebohrungen nach unkonventionellem Gas stattgefunden. Ob eine wirtschaftliche Förderung aber tatsächlich möglich ist, hängt von vielen Faktoren ab. Momentan fehlt in Polen vor allem die notwendige Infrastruktur. Alleine der Aufbau eines Pipeline Netzes für den Transport aus den unzähligen Bohrungen, die notwendig wären, würde Milliarden kosten.

Eurogas, die europäische Vereinigung der Fossil-Gas Industrie, zweifelt daran, daß „unkonventionelles Gas“ eine ähnliche Rolle wie in den USA spielen wird. Grund dafür seit unter anderem die deutlich höhere Bevölkerungsdichte, Unterschiede im Bergrecht und ein strengeres Wasserschutzrecht.

Jean-François Cirelli, der Chef von Eurogas teilt auch nicht die häufig geäußerten Befürchtungen über Versorgungsprobleme oder eine zu starke Abhängigkeit zu Russland:

Lessons were learned from the January 2009 supply problems. These problems are unlikely to be repeated. [..] It should be recalled that even in January 2009, gas companies in western Europe were able to supply customers in central Europe and most Balkan countries, using storage, extra LNG supplies, surge production and some reverse flow. And things have definitely improved since then.

„Aus den Versorgungsproblemen von Januar 2009 haben wir gelernt. Es ist unwahrscheinlich, dass sich die Probleme wiederholen. [..] Man sollte sich daran erinnern, dass selbst im Januar 2009 Gasunternehmen in Westeuropa die meisten Kunden in Zentraleuropa und im Balkan durch Flüssiggaslieferungen, Produktionsausweitung und Gasrücklauf versorgt werden konnten. Und seit dem hat sich die Lage definitiv verbessert.

Verbunden mit dem Moratorium in Frankreich, den Protesten in Deutschland und der Forderung nach einem europaweiten Moratorium aus Brüssel, bleibt abzuwarten, ob sich die polnische Ratspräsidentschaft durchsetzen wird.

Zumal ihre bisherige Argumentation sehr dicht an den Werbeversprechen einiger gasfördernder Unternehmen liegt und kritische Studien weitgehend ignoriert.

Quellen:
http://www.euractiv.com/en/energy/poland-takes-lead-eu-shale-gas-promoter-news-504629

http://europeanenergyreview.eu/site/pagina.php?id=2947

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