Was sind Lagerstättendrucktest unter Verwendung von Diesel?

Auf einer der letzten Veranstaltungen zum Thema unkonventionelle Gasförderung war auch der Dipl. Geologe Prof. Dr. Klostermann vom Geologischen Dienst NRW dabei. Eine gute Gelegenheit, Fragen zum Lagerstättendrucktest von ExxonMobil in Oppenwehe unter Einsatz von Diesel zu stellen.

Leider konnte oder wollte Herr Prof. Dr. Klostermann dazu keine Erklärungen liefern, die es für Laien verständlich machen, warum ausgerechnet Diesel eingesetzt wird und was so ein Lagerstättendrucktest überhaupt ist. Das Internet liefert einige Erklärungen. Korrekturen und Hinweise von Fachmenschen sind natürlich jederzeit willkommen.

Der Lagerstättendruck beschreibt, wie gut nach einer Bohrung das Gas austritt. Bei hohem Lagerstättendruck kann das geradezu explosiv geschehen. Bei sehr niedrigem Lagerstättendruck strömt im Zweifel gar kein Gas.

Bei der unkonventionellen Gasförderung ist der Lagerstättendruck im Allgemeinen sehr niedrig, da das Gas noch gebunden ist. Durch Aufbrechen des Gesteins werden zusätzliche Fließwege geschaffen, aus denen das Gas dann nach oben wandern kann. Durch häufiges Fracken kann der Druck anfangs hoch gehalten werden. Meist aber nur für kurze Zeit. Das zeigen die häufig schnell nachlassenden Fördermengen bei der unkonventionellen Gasförderung.

Doch in Oppenwehe ist es noch gar nicht zum Fracking gekommen. Dort sollte der initiale Lagerstättendruck nach der Bohrung gemessen werden. Dazu liefert Schlumberger, eines der größten Fracking Unternehmen die nötigen Informationen.

Water block typically forms during the drilling phase of a well, when the near-wellbore area is exposed to a relatively high volume of filtrate from the drilling fluid. The increased presence of water causes fine clay crystals that may be present in the formation, such as illite, to swell and cause a reduction in permeability.

Wasserblockaden bilden sich typischerweise während der Bohrungsphase, wenn das Bohrloch einem hohen Anteil von Substraten und Bohrflüssigkeiten ausgesetzt ist. Das viele Wasser bringt feinen Ton, der in der Formation vorhanden ist, zum Quellen und reduziert damit die Durchlässigkeit.

Quelle: http://www.glossary.oilfield.slb.com/Display.cfm?Term=water%20block

Laienhaft gesprochen verstopft der Dreck die Poren und das Gas wird nicht fließen. Zur Reinigung der Poren steht eine ganze Reihe von Chemikalien zur Verfügung. Eine Möglichkeit sind Alkohole. Aber auch viele andere chemische Substanzen sind möglich. Diese können beispielsweise in Diesel oder Petroleum Destillaten gelöst werden,  damit kein zusätzliches Wasser in die Bohrung gelangt

The wettability modifiers may include cationic, anionic, or zwitterionic surfactants, or polymers containing chemical groups or moieties that have a tendency to repel oil or water. […]

The wettability modifier may be introduced in solution, for example in water, brine, an alcohol such as methanol, isopropyl alcohol, etc., a ketone, an ether, an ester, hydrocarbons such as petroleum distillates, diesel, biodiesel, or their derivatives, or a mixture of these solvents.

http://www.freepatentsonline.com/y2007/0029085.html

Daher stellt sich die Frage, ob wirklich nur „reines“ Dieselöl zum Einsatz kam oder ob es nur als Träger für weitere Substanzen gedient hat.

Der zusätzliche Nutzen von Diesel ist, dass er ein ausgezeichnetes Schmiermittel für Horizontalbohrungen ist.

After becoming differentially stuck several times on the first Sidki horizontal well, Sidki B-4, a solution had to be identified if the horizontal program at Sidki was to be successful. Diesel was identified as the best fluid. It was the lowest density fluid readily available and clean diesel would not generate a filter cake, two of the major contributing factors to becoming differential stuck.

OnePetro:The Successful Application of Diesel as Horizontal Drilling Fluid

In den USA wurde der Einsatz von Diesel in der unkonventionellen Gasförderung schon vor mehreren Jahren auf Basis einer freiwilligen Unterlassungserklärung der drei größten Fracking-Unternehmen untersagt. Das Versprechen hinderte die Unternehmen natürlich nicht daran, Diesel trotzdem einzusetzen.

Diesel führte bereits in mehreren Ländern zur Verseuchung von Trinkwasser Quellen in der Nähe von Bohrungen. Es enthält die teils kresbserregenden Substanzen Benzol, Toluol, Ethylbenzol und Xylole. In Deutschland darf es scheinbar immer noch straffrei eingesetzt werden.

Update:

Wie Exxon-Mobil-Sprecherin Dr. Ritva Westendorf-Lahouse gestern der STEMWEDER ZEITUNG auf Anfrage bestätigte, lagern in den Bohrloch 25000 Liter Dieselöl. Das entspricht einer kompletten Tankwagen-Ladung. […] Warum ausgerechnet Diesel und und keine ungefährlichere Flüssigkeit verwendet wurde, konnte die Pressesprecherin bis zum Redaktionsschluss dieser Zeitung nicht mitteilen: »Da muss ich mich schlau machen, ich glaube aber nicht, dass unsere Experten noch im Haus sind.«

Quelle: Westfalen-Blatt: 25000 Liter Diesel im Bohrloch versenkt

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