USA: Argumentationsleitfaden der Erdgas und Fracking Industrie

Gute Unternehmen geben ihren Verkäufern Argumentationsleitfäden an die Hand, damit diese wissen, mit welchen Tricks sie die potentiellen Kunden am besten überzeugen können.

Auch gasfördernde Unternehmen, die Landbesitzer überzeugen wollen, ihr Land für Bohrungen nach unkonventionellen Gasvorkommen, also Erdgas, zur Verfügung zu stellen, haben offenbar solche Leitfäden.

Einer dieser Leitfäden wurde offenbar in einem Restaurant vergessen und fand seinen Weg zu den Gegnern des Hydraulic Fracturings.

[…]Fahr sie direkt zum Notar, wenn du musst. Wenn sie Zeit zum Nachdenken haben, ist die Wahrscheinlichkeit größer, dass sie das Angebot ablehnen.

[…]Die meisten Landbesitzer sind amerikanische Patrioten […] Mach das zum führenden Verkaufsargument. Die Angst vor ausländischen Eingriffen ist unser größtes Kapital. […] Falls an irgend einem Punkt das Gespräch auf lokale Probleme, Umweltbelastungen usw. kommen sollte, ist es wichtig, die Unterhaltung wieder auf den nationalen Energiebedarf und den Wunsch energieautark zu sein, zu lenken. – „China kaufte letztes Jahr mehr Öl als die Vereinigten Staaten.“

Der erste Punkt ist einfach nur eine billige Verkaufsmasche. Der zweite Punkt hört sich verdächtig nach dem an, was auch in Deutschland gerne gepredigt wird. Nur das hier Russland statt China angeführt wird.

[…]Bedränge den Landbesitzer damit, dass wir primär nach Öl suchen. Die Suche nach öl gilt als weniger umweltschädlich, als die Vorwürfe gegen Hydraulic Fracturing. Schließe niemals aus, dass doch nach Gas gesucht werden könnte. Halte uns möglichst fern vom Film „Gasland“. Wir wollen nicht, dass die Landbesitzer diese Bilder mit unseren Entwicklungsplänen verknüpfen.[…]

„Gasland“ scheint bei den Herren nicht sehr beliebt zu sein. Und auf die Idee, dass Ölbohrungen ein besseres Image haben, als Hydraulic Fracturing, muss man erst einmal kommen.

[…]Die meisten Landbesitzer werden den Unterschied zwischen Hydraulic Fracturing und Slick Water Hydraulic Fracturing nicht kennen. Nutze das zu deinem Vorteil. Die meisten Brunnen in Süd-Ohio werden gebohrt und dann gefracct, um eine zuverlässige Trinkwasserquelle zu schaffen. Erzähl ihnen dass. Es ist nichts gefährliches an Fracking. Sonst würde nicht bei ihren Brunnen benutzt. Falls doch jemand Slick Water Fracturing kennt, vermeide das Thema. Diskutiere nicht über die Chemikalien und andere Stoffe, die beim Slick Water Fracking eingesetzt werden. Die beste Strategie ist, zu betonen die chemischen Mischungen sind gesetzlich geschützt [„Betriebsgeheimnis“] und stark mit Wasser verdünnt.
Beteuere gegenüber den Landbesitzern, dass bisher keine Brunnenvergiftung dokumentiert ist. Erwähne keine Wasserverseuchungen in Pennsylvania!!! Wir wollen nicht mit potentiellen Grundwassergeschichten in Verbindung gebracht werden. Betone, dass wir Zement- und Stahlabdichtungen verwenden um die wasserführenden Schichten zu schützen. Halte deine Antworten wage, wenn es um Pennsylvania geht. Sag ihnen, die Umweltbehörde würde die Bohrungen genehmigen. Sie würden es nicht tun, wenn der Prozess nicht sicher wäre.
[…]

Die Unterscheidung zwischen Hydraulic Fracturing und Slick Water Hydraulic Fracturing war mir auch neu. In Deutschland wird momentan das „Hydraulic Fracturing“ bei Geothermiebohrungen und Gasbohrungen in Verbindung gebracht. Hier lohnen sich bestimmt noch weitere Analysen

Der nächste Punkt trifft mitten ins Herz der Pro-Fracking-Lobby Organisation EnergyInDepth.

[…] Aktivisten haben begonnen, die Ausnahme der Öl- und Gasindustrie vom staatlichen Luft- und Wasserschutzschutzgesetz gegen unsere Industrie zu verwenden. Während dieser Punkt für die Suche nach fossilem Gas wahr ist, betone, dass wir nach Öl suchen. Sag das deutlich. Lass dich nicht auf Debatten über das Gesetz und Umweltschutz ein.

EnergyInDepth versucht genau in diesem Punkt, den Film „Gasland“ zu entkräften:

(6:05) “What I didn’t know was that the 2005 energy bill pushed through Congress by Dick Cheney exempts the oil and natural gas industries from Clean Water Act, the Clean Air Act, the Safe Drinking Water Act, the Superfund law, and about a dozen other environmental and Democratic regulations.”

This assertion, every part of it, is false. The oil and natural gas industry is regulated under every single one of these laws — under provisions of each that are relevant to its operations.

EnergyInDepth sagt „Diese Behauptung, jeder Teil davon, ist falsch.“ Der Argumentationsleitfaden zeigt, dass die Öl- und Gasindustrie weiß, dass sie hier nicht die volle Wahrheit sagt. Interessant ist das, weil sich auch der Geologische Dienst NRW auf die Aussagen der Lobby Organisation beruft:

„Ein Teil der in der Presse dargestellten Szenarien und Probleme bei der Shale Gas-Förderung ist nicht ohne weiteres verifizierbar, sondern stammt aus dem Spielfilm „Gasland“ von Josh Fox, dessen Inhalt nur teilweise auf realen Szenarien beruht (State of Colorado, Department of Natural Resources 2010 und www. energyindepth .org > debunking-gasland; ferner: Spiegel 9/2011: S. 66).

Warum sich der Geologische Dienst auf „Fakten“ einer Pro-Fracking-Lobby Organisation beruft, mag man ja in Zeiten, in denen selbst Bundesministerien das gleiche machen, gar nicht mehr fragen.

Doch zurück zum Argumentationsleitfaden:

[…]Streite nicht ab, dass die Errichtung sehr laut sein kann. […] Sag, daß der laute Teil der Operation im Vergleich zur Laufzeit schnell vorbei ist. Dieser Teil kann bis zu einem Jahr dauern, aber betone das nicht. Die Bohrung könnte bis zu 40 Jahren laufen, so dass ein Jahr Lärm gar nicht so schlecht ist. Falls du zu Details genötigt wirst, sag ihnen, dass wir den Lärm überwachen, um sicher zu stellen, dass er ca. 80db auf 200 Fuß nicht überschreitet. Sie werden die Details wahrscheinlich nicht verstehen, aber nicht zugeben, dass diese technischen Werte ihnen nichts sagen. Vergleiche es niemals mit etwas greifbaren, wie Zuglärm oder Fluglärm.[…]

Eine der ersten Aktionen von ExxonMobil in Nordwalde war, den Anwohner zu versichern, dass sie den Lärm überwachen würden. Zu diesem Zweck wurden damals sogar Messungen der Grundlautstärke im Scheddebrock durchgeführt.

[…]Berichte haben gezeigt, dass Fracking und andere Öl/Gas Explorationstechniken zu steigender Radioaktivität im Grundwasser führten. Das wird durch natürlich auftretendes Radon ausgelöst, dass vom Grund in die trinkwasserführenden Schichten gelangt. STELLE SICHER, dass du den Landbesitzern erzählst, dass wir KEINE RADIOAKTIVEN Materialien verwenden. Die Radioaktivität kommt aus natürlichen Quellen und wird durch den Prozess freigesetzt, aber erzähl ihnen das nicht. Die meisten Landbesitzer werden das nicht wissen. Sag ihnen dass wir FREI VON RADIOAKTIVITÄT sind und das sollte ihre Sorgen lindern. Wenn du gezwungen bist, sag ihnen es handelt sich um natürliche Strahlung, die immer da ist und wir fügen nichts hinzu, um sie zu steigern.[…]

Was sagt ExxonMobil dazu noch einmal:

Werden radioaktive Stoffe durch die Kernbohrung entstehen / gefördert? Nein, durch die Kernbohrung entstehen keine radioaktiven Stoffe und werden auch solche nicht gefördert.

Wir sollten alle froh sein, dass ExxonMobil keine radioaktiven Stoffe „entstehen“ läßt. Dass hier bewusst auf Kernbohrungen eingeschränkt wird, ist schon fast eine Beleidigung für die aufmerksamen Leser.

Mehr davon im nächsten Teil.

Quellen:
Der Argumentationsleitfaden im Original
http://www.gegen-gasbohren.de/2011/04/02/antworten-vom-geologischen-dienst-nrw/
Lobby Seite zur Erdgassuche in Deutschland von ExxonMobil – Sicherheit und Umwelt

2 Kommentare.

  1. Vergesslichkeit kann ein Glücksfall sein…

    Dank sei:

    dem Himmel,
    dem vergesslichen und
    dem cleveren Finder

    für das „Strategiepapier“ der besonderen Art.

    Ein TOP-Beweismittel für die HINTERHÄLTIGEN MACHENSCHAFTEN der MACHT!

    Liebe Politiker, nur zur Erinnerung:

    Wir sind das Volk, wir sind Wähler, wir sind nicht doof, WIR SIND NICHT KÄUFLICH und vor allem:

    Die nächsten Wahlen kommen bestimmt!!!

    Horst Bauhof

  2. Dank an Herrn Krüger für diesen äußerst erhellenden Beitrag!

    Jetzt verstehe ich, warum Herr Stahlhut mir immer wie ein Sprachroboter vorkommt. „Wir haben kein interesse daran, dass bla bla bla …“.

    Na klar, Herr N.S. reproduziert nur die jeweils „vorgeschriebenen“ Textbausteine aus dem Exxon-Handbuch „Wie halte ich die betroffene Bevölkerung möglichst dauerhaft auf einem niedrigen Erkenntnisstand.“

    Weiter so, Herr Krüger.

    Glückauf für Nordwalde und Glückab für Exxon
    Helmut Fehr