Anzeichen für europäisches Fracking-Moratorium

Am 13. und 14. April 2011 fand im Europaparlament das erste europäische „Shale-Gas-Meeting“ statt. Der erste Tag hatte den Austausch von Erfahrungen der Bürgerinitiativen zum Schwerpunkt. Am zweiten Tag berichteten Experten über die unkalkulierbaren Risiken, die für das Grund- und Trinkwasser beim Hydraulic Fracturing auch noch im Laufe von Jahrzehnten auftreten können.

Die europäische Behörde für Energie („DG Energy“) vertritt dagegen die Meinung, dass die europäischen unkonventionellen Gasvorkommen untersucht werden sollten. Allerdings unterstrichen auch sie, das die europäische Union bis 2050 praktisch vollständig auf fossile Energieträger verzichten will.

Die Behörde für Umwelt („DG Environment“) sieht beim Hydraulic Fracturing und den dabei eingesetzten Chemikalien und der Entsorgung der mit Salzen, radioaktiven Isotopen und teils hochgiftigen Chemikalien belasteten Abfällen Probleme mit den Wasserschutzzielen der europäischen Union.

Die Veranstaltung in Brüssel endete mit einem gemeinsamen Brief an die Kommissare Günther Oettinger (Deutschland, CDU, Energie), Janez Potočnik (Slowenien, Umwelt) und Connie Hedegaard (Dänemark, Klimawandel). Erbeten wurde unter anderem ein Moratorium für Fracking, die Veröffentlichung aller eingesetzten Chemikalien und die genaue Überprüfung der Auswirkungen von unkonventionellem Gas auf das Klima. Hier hatte eine Studie erst kürzlich gezeigt, dass unkonventionelles Gas genau so klimaschädlich wie Kohle sein könnte.

Am 15. April fand im deutschen Bundestag eine Informationsveranstaltung zur unkonventionellen Gasförderung statt. Auch hier wurden über die bereits bestehenden internationalen Moratorien und das bevorstehende Verbot von Horizontalbohrungen in Verbindung mit Hydraulic Fracturing in Frankreich gesprochen. Mehrere Bundestagsabgeordnete folgten der Veranstaltung. Die Interessengemeinschaften zur unkonventionellen Gasförderung kündigten bereits an, dass sie in den nächsten Wochen verstärkt mit der Information der übrigen Abgeordneten beginnen werden.

Zusammen mit dem „Veto“ der Landtagsabgeordneten in Baden-Württemberg zum Fracking am Bodensee , dem Einfrieren der Antragsprüfung in Nordrhein-Westfalen und den Forderungen nach einem „Moratorium“ auf Hydraulic Fracturing in Niedersachsen mehren sich die Anzeichen, dass Politik und Bevölkerung das weltweit umstrittene Verfahren auch nicht in der EU zulassen werden.

1 Kommentare.

  1. Eigentlich dürfte es nicht nur Moratorien gegen unkonventionelle Erdgasförderung geben, sondern Ächtung. Ich meine, wenn es gelingt erneuerbare Energien zu nutzen und vor Allem auch diese zu speichern, gibt es doch wohl keinen Anlass mehr für weitere Versuche, egal wieviel oder wenig Chemie oder verflüssigtes CO2 dazu in den Boden gepumpt werden muß, oder?
    Selbst der Energieversorger Vattenfall hat Pläne aus flüssigem CO2 mit Hilfe von Mikroorganismen Methangas zu regenerieren und mit diesem BHKW´s zu betreiben. Allerdings scheint deren Konzept entweder nicht wirklich zu Ende gedacht oder Vattenfall will nicht wirklich zugeben, dass sich deren Vorstand mit dem CCS-Verfahren nur eine weitere goldene Nase verdienen will. Denn, wenn man aus flüssigem CO2 Methangas regenerieren kann, warum dann also das CO2 erst, unter hohem technischen Aufwand, in den Boden verpressen und dann nachher irgendwann unter wiederum hohem Aufwand diese wieder von dort, inkl radioaktiven Substanzen, heraufholen? Wenn da nicht handfeste wirtschafliche Interessen dahinterstünden, müsste sich der gesamte Vattenfall- Vorstand selbst entlassen ob solcher Dummheiten. Die Frage ist also, warum müssen wir uns solche Schweinereien gefallen lassen?
    Ich meine, jeder der Initiative ergreift und etwas für die Allgemeinheit tut, soll auch sein Geld verdienen. Aber wenn, wie so häufig, ohne Rücksicht auf die Belange der Menschen und der Mutter Natur versucht wird, diese auch noch auszupressen wie die Zitronen, dann muß dem endlich ein Riegel vorgeschoben werden. Auch und gerade auf Europäischer Ebene.

    PS die Behauptungen über die Regenerierung von CO2 stammt nicht von mir, sondern findet sich in einer Broschüre von Vattenfall. Es handelt sich um eine Broschüre mit dem Titel „Auf den Grund gegangen………10 Fragen und Antworten zur Abscheidung, Transport und Speicherung von CO2“