„Gemeinsam gegen Fracking“ – Über 1000 Menschen demonstrieren für die Umwelt

Weit über 1000 Menschen demonstrierten gestern in 6 verschiedenen Gemeinden in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen. Aus allen Bevölkerungsschichten und Altersgruppen kamen die Teilnehmer und zeigten, was sie von der weltweit umstrittenen Fracking-Technologie in ihrer unmittelbaren Nähe halten.

Die Westfälischen Nachrichten haben dazu eine sehr schöne Fotostrecke der Demonstrationen im Münsterland erstellt.

Die WDR Lokalzeit Münsterland berichtete Live in ihrer Sendung vom 7. April 2011 von der Veranstaltung.

In Nordwalde sprach Dr. Manfred Scholle, Chef der Gelsenwasser AG, über die Gefahren der Technologie und den völlig unzureichenden Rechtsrahmen in Deutschland.

Nur 50 bis 60 Prozent des Gases könnten mit der heutigen Technologie aus dem Gestein herausgebrochen werden. Dabei würde der Untergrund völlig zerstört und mit giftigen Stoffen durchflutet. Dr. Manfred Scholle hat keine Zweifel daran, dass in den nächsten Jahrzehnten durchaus Technologien entwickelt werden könnten, die an das ganze Gas kommen, ohne die zerstörerische Fracking-Technologie einzusetzen. Bis dahin gäbe es aber ausreichend konventionelles Gas.

Parallel dazu verkündete ExxonMobil, daß sie nur unter den Rahmenbedinungen fracken würden, die ihnen ein Expertenkreis aufgebe. Einer der Experten ist Dietrich Borchardt:

„„Ich bürge mit meinem Namen, dass ich nach wissenschaftlichen Kriterien entscheide, obwohl Exxon mich bezahlt“, sagte Dietrich Borchardt vom Heimholtz-Zentrum für Umweltforschung.“

Quelle: http://www.noz.de/lokales/53292944/umstrittene-erdgas-foerdertechnik-wissenschaftler-untersuchen-gefahren–luenne-buerger-protestierten

Das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung ist Teil der Helmholtz Gemeinschaft. Diese hatte bereits im letzten Jahr ihre Einschätzung der unkonventionellen Gasförderung und des dabei notwendigen Frackings veröffentlicht:

„Diese lange bekannten Gasvorkommen [„Shale Gas“] können erst seit wenigen Jahren wirtschaftlich genutzt werden. Ihr Einsatz ist auch deshalb sinnvoll, weil der Umbau auf nachhaltige Energiequellen noch viele Jahre dauern wird, in denen weiter fossile Brennstoffe verwendet werden. Die erste Wahl ist dann Erdgas, weil es die gleiche Nutzenergie mit 40 bis 50 Prozent weniger des Klimagases Kohlendioxid liefert als Kohle.“

Quelle: http://www.helmholtz.de/forschung/energie/aktuelle_einblicke/stille_reserven/

Die Helmholtz Gesellschaft hält also die Förderung unkonventioneller Gasvorkommen für sinnvoll. Unabhängig davon, das eine Förderung wirtschaftlich relevanter Mengen noch Jahrzehnte dauern würde. Regenerativen Energien spricht sie das Potential im gleichen Zeitraum ab. Das unkonventionelles Erdgas, bei Berücksichtigung der gesamten Produktionskette, ähnlich viel Klimagase verursacht, wie Kohle wird hier nicht nur verschwiegen, sondern mit „schönen“ Zahlen auch noch überspielt.

Dietrich Borchardt muss man erst einmal zugestehen, dass er als Wissenschaftler unabhängig ist. Auch wenn er für eine Gesellschaft arbeitet, die auch schon für die Führung der Asse – der inzwischen undichten Lagerstätte für radioaktive Abfälle in Niedersachsen – verantwortlich war.

Die über tausend Demonstranten wird es nicht beruhigen. Zumal sich die Anzeichen mehren, dass ExxonMobil in Nordrhein-Westfalen die Durchführung der Probebohrungen einklagen will.

1 Kommentare.

  1. Dietrich Borchardt: „Ich bürge mit meinem Namen…“
    Mit dieser Floskel stehen Sie nicht allein… ich erinnere an Barschel, Möllemann Guttenberg und weitere.