USA: Grosse EPA Studie zu Fracking-Risiken wird auf Industrieinteressen optimiert

Die New York Times hat die Auswertung der vor kurzem veröffentlichten internen EPA (amerikanische Umweltbehörde) Dokumente am Wochenende fortgesetzt.

2012 sollen die Ergebnisse einer Studie der Umweltbehörde, über die Zukunft des Hydraulic Fracturing in den USA entscheiden. Die zuständigen Wissenschaftler der EPA zweifeln in internen Dokumenten die Unabhängigkeit und Offenheit der Studie an. Bereits im Vorfeld werden relevante, aber für die Industrie kritische, Untersuchungsfelder gestrichen.

Schon 2004 beschäftigte sich die EPA mit den mit Hydraulic Fracturing. Mit Beginn der Bush/Cheney Regierung sollte Hydro-Fracking vom Safe-Drinking-Water Act (Trinkwasserschutzgesetz) ausgenommen werden. Die EPA wurde auch damals mit der dafür notwendigen Studie beauftragt.

Die noch in einer frühen Version enthaltenen Punkte einer gefährlichen Konzentration giftiger Stoffe in der Frack-Flüssigkeit und dem damit verbundenen Risiko einer Trinkwasserverseuchungen fehlten in der abschließen Studie. Fracking wurde damit ohne Rücksicht auf Trinkwasserschutzgebiete möglich gemacht.

Dick Cheney war zuvor Aufsichtsratsvorsitzender und CEO von Halliburton. Einem der Unternehmen, das mit am meisten vom Ausbau der Fracking-Industrie profitiert hat.

Ein Whistleblower der EPA machte kurz nach der Studie öffentlich, daß massiv Druck aus Industrie und Politik auf die Umweltbehörde ausgeübt wurde.

Shortly after the study was released, an E.P.A. whistle-blower said the agency had been strongly influenced by industry and political pressure. Agency leaders at the time stood by the study’s findings.

5 der 7 Mitglieder der Freigabegruppe für die Studie waren aktuell oder zuvor in der Öl- und Gasindustrie beschäftigt.

2009 sollte die EPA in einer weiteren Studie im Auftrag des Staates New York, die Risiken beim Hydraulic Fracturing, erneut bewerten.

Wegen Gefahren durch radioaktive Belastungen der Bohrschlämme und dafür nicht ausgerüsteten Klärwerken sollte ein Moratorium empfohlen werden. Doch in der finalen Version der EPA war die Moratoriumsempfehlung auf Druck der “Politik” und gasfreundlicher Bundesstaaten nicht mehr vorhanden:

Asked why the letter about hydrofracking in the New York City watershed had been revised, an agency scientist involved in writing it offered a one-word explanation: “politics.”

In den USA ist die unkonventionelle Gasförderung inzwischen von mindestens 7 der 15 relevantesten Umweltgesetze ausgenommen:

  • Kohle-Minen müssen eine Sondergenehmigung haben, wenn sie Abwasser in alten Gruben entsorgen wollen. Die Gasindustrie kann das, wie in Deutschland, ohne besondere Genehmigung.
  • Die Abgasemissionen bei Stahlwerken werden addiert, wenn Grenzwerte ermittelt werden. Bei der Gasindustrie werden die giftigen Ausdünstungen, z.B. Benzol, pro Anlage einzeln angesetzt. Auch in Deutschland wird jede Bohrung separat behandelt, wenn es z.B. um die Fördermengenermittlung zur Anwendung der Umweltverträglichkeitsrichtlinie geht.

Auch bei der kommenden Studie befürchten Wissenschaftler der EPA, dass wieder massiv Druck ausgeübt wird, um das Ergebnis der Studie “industriefreundlich” zu gestalten.

Diverse Untersuchungsgebiete wurden aus dem ersten Vorschlag für die Durchführung der für 2012 geplanten Studie noch vor der Veröffentlichung entfernt:

  • Gefahren durch Giftige Dämpfe
  • Einfluss der Bohrabfälle auf die Nahrungskette
  • Risiko der radioaktiven Abfälle auf die Arbeiter
  • Versickern kontaminierter Bohrabfälle auf Deponien
  • Grad der Verdünnung gefährlichen Abwässer aus Kläranlagen

Staatliche Wissenschaftler befürchten, dass die Studie nicht nur unzureichend sein wird, sondern auch noch weitere, laufende und geplante Studien, über die Folgen des Hydraulic Fracturing in den USA verhindert.

Die Gasindustrie könnte durch strenge Umweltauflagen Milliarden Dollar verlieren. Schon jetzt ist die Rentabilität der unkonventionellen Gasförderung durch ein Überangebot und den damit verbundenen niedrigen Preis am Rande der Wirtschaftlichkeit. Strenge Umweltgesetze könnten dem Gas-Boom zugunsten einer intakten Umwelt schnell ein Ende setzen.

In Deutschland bereitet die rot-grüne Landesregierung von NRW eine Studie über die Chancen und Risiken der unkonventionellen Gasförderung vor, die in Kürze ausgeschrieben werden soll.

Quelle:
http://www.nytimes.com/2011/03/04/us/04gas.html

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  1. NEW YORK TIMES TEIL II « Gegen Gasbohren… - pingback on 8. März 2011 um 11:26

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