New York Times: Vertrauliche EPA Studie enthüllt Vergiftung von Flüssen

Die New York Times hat tausende interner Dokumente der amerikanischen Umweltbehörde (EPA) untersucht. Dabei wurde enthüllt, dass gerade in Bezug auf radioaktiv belastetes Abwasser aus der unkonventionellen Gasförderung das tatsächliche Risiko deutlich höher ist, als zuvor angenommen.

Ermittelt wurde unter anderem:

More than 1.3 billion gallons of wastewater was produced by Pennsylvania wells over the past three years, far more than has been previously disclosed. Most of this water — enough to cover Manhattan in three inches — was sent to treatment plants not equipped to remove many of the toxic materials in drilling waste.

„Mehr als 4,92 Milliarden Liter Abwasser sind in Pennsylvania während der letzten 3 Jahre angefallen. Viel mehr als bisher veröffentlicht wurde. Das meiste Abwasser […] wurde in Klärwerken entsorgt, die nicht dafür ausgerüstet waren, die meisten der giftigen Materialien im Bohrwasser zu entfernen.“

„At least 12 sewage treatment plants in three states accepted gas industry wastewater and discharged waste that was only partly treated into rivers, lakes and streams.“

„Mindestens 12 Kläranlagen in drei Staaten akzeptierten Abwässer der Gasindustrie und leiteten das nur teilweise behandelte Abwasser direkt in Flüsse, Seen und Bäche.“

„Of more than 179 wells producing wastewater with high levels of radiation, at least 116 reported levels of radium or other radioactive materials 100 times as high as the levels set by federal drinking-water standards. At least 15 wells produced wastewater carrying more than 1,000 times the amount of radioactive elements considered acceptable.“

„Mehr als 179 Bohrungen produzieren Abwasser mit hoher Strahlung. Mindestens 116 meldeten Belastungen mit Radium oder anderen radioaktiven Substanzen, die mehr als 100 mal so hoch wie der erlaubte Grenzwert für Trinkwasser waren. Mindestens 15 Bohrungen produzierten Abwasser, das mehr als 1000-fach den als noch akteptablen Wert überschritten.“

In den veröffentlichten Unterlagen wurden auch Stellungnahmen von EPA Wissenschaftlern gefunden, die das Bohrwasser für eine sehr große Gefahr für die Umwelt in Pennsylvania halten. Sie bezogen sich auf eine nie öffentlich gemachte Studie, die ergab, das viele der Klärwerke nicht geeignet sind um gefährliche Stoffe aus den Abwässern der Bohrungen zu entfernen, damit das Trinkwasser gefährden und gegen das Gesetz verstoßen.

Auch vertrauliche Studien der Bohrindustrie wurden veröffentlicht. Aus ihnen geht unter anderem hervor, das Radioaktivität in Bohrabfällen auch nicht durch Verdünnung in Flüssen beseitigt werden kann. Öffentlich wird gerne behauptet, die starke Verdünnung der Abwässer würden jede Gefahr beseitigen.

Über die unwirksamen Klärwerke, gelangten die eingesetzten Chemikalien, Salze und radioaktiven Bestandteile letztendlich natürlich auch im Trinkwasser und in der Nahrungskette:

„In Pennsylvania, these treatment plants discharged waste into some of the state’s major river basins. Greater amounts of the wastewater went to the Monongahela River, which provides drinking water to more than 800,000 people in the western part of the state, including Pittsburgh, and to the Susquehanna River, which feeds into Chesapeake Bay and provides drinking water to more than six million people, including some in Harrisburg and Baltimore.“

Der Monongahela Fluss versorgt mehr als 800.000 Menschen mit Trinkwasser. Unter anderem die Stadt Pittsburgh. Der Susquehanna Fluss sogar mehr als 6 Millionen Menschen unter anderem in Harrisburg und Baltimore.

„Hydrofracking impacts associated with health problems as well as widespread air and water contamination have been reported in at least a dozen states,” said Walter Hang, president of Toxics Targeting, a business in Ithaca, N.Y., that compiles data on gas drilling.“

„Hydrofracking Folgen mit Gesundheitsproblemen, Luft- und Wasserverschmutzung ist aus mindestens einem dutzend Staaten bekannt, sagt Walter Hang, Präsident von Toxics Targeting.“

In den Staaten Colorado, Ohio, Pennsylvania, Texas und West Virginia wurde Methan im Trinkwasser gefunden. In Wyoming konnten 2009 zum ersten mal die staatlichen Richtlinien für Luftqualität nicht eingehalten werden, weil zuviel Benzol und Toluol aus 27000 Bohrungen in der Luft lag.

Nach den Aussagen der Industrie, sei das Verfahren sicher und seit Jahrzehnten erprobt. Doch die massive Erhöhung der Bohrlöcher in den letzten Jahre und die neuartigen Fracking-Prozesse mit deutlich höherem Druck, mehr Einsatz von Wasser und neuen Chemikalien zeigen sich nach den EPA Studien im ganzen Land.

Die Veröffentlichungen der New York Times enthalten noch eine ganze Menge mehr an beunruhigenden Nachrichten, die uns noch in den nächsten Tagen beschäftigen werden.

Quelle:
Regulation Lax as Gas Wells’ Tainted Water Hits Rivers – NYTimes.com.

4 Kommentare.

  1. In den USA hinkt die Politik der technischen Entwicklung hinterher. Ein Land im strahlenden Gasrausch, wie der New York Times Artikel verdeutlicht. Mehr auf dem Klima der Gerechtigkeit der Heinrich-Boell-Stiftung: http://klima-der-gerechtigkeit.de/2011/02/28/ein-land-im-strahlenden-gasrausch