Gasbohrungen am Bodensee – Parallelen zu Nordrhein-Westfalen

Der Südkurier berichtet über die „Schatzsuche am Bodensee“. Das britische Unternehmen 3Legs Resources hat sich dort Aufsuchungslizenzen für über 2600 Quadratkilometer gesichert um nach unkonventionellen Gas zu suchen.

In Baden-Württemberg steht die Diskussion noch am Anfang. Interessant sind die Vergleiche zu Nordrhein-Westfalen.

„„Ich denke, dass man sich im Moment keine Sorgen machen muss“, sagt Hans Veit.“ [Bürgermeister, von Hohenfels, BW]

Vergleichen wir diese Aussage mit einer frühen Stimme aus Nordwalde:

„Die Firma [ExxonMobil] hat das sehr professionell präsentiert. Wir haben auch mit dem Bürgermeister dort [Bad Laer in Niedersachsen] gesprochen. Die ganze Sache wird dort positiv gesehen“, so Schemmann [Sonja Schemmann, Bürgermeisterin von Nordwalde]. Befürchtungen, dass in Nordwalde Umweltschäden entstehen könnten, hat sie nicht.

Quelle: Westfälische Nachrichten: „Viele Fragen sind noch offen“ vom 16.9.2010

Einige Monate später:

„CDU-Fraktionsvorsitzender Tobias Elshoff [Gemeinde Nordwalde, NRW] jedenfalls schlug vor, anstelle eine Resolution einen eigens formulierten Ratsbeschluss zu fassen. Die Kernaussage: Der Rat lehnt zu jetzigen Zeitpunkt Fracking und die Förderung unkonventionellen Erdgases ab. Keine zehn Minuten dauerte die Sitzungsunterbrechung, um aus den beiden Papieren von CDU und UWG ein gemeinsames zu machen, das kurz darauf beschlossen wurde.

Quelle: Westfälische Nachrichten: „Alle Fraktionen gegen Fracking vom 19.1.2011

Auch die zuständigen Behörden in Baden-Württemberg sind im Moment noch nicht beunruhigt:

„Das Regierungspräsidium sieht solche akuten Befürchtungen als unbegründet an. Die Erkundungskonzession sei kein Freibrief für Bohrungen, sagt Pressesprecher Joachim Müller-Bremberger.“

„Die Erkundungstätigkeit des Lizenzinhabers beschränke sich „auf das Sammeln und Bewerten verfügbarer geowissenschaftlicher Daten“, erläutert Bergdirektor Holger Schick im Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau, das die Erkundungskonzessionen vergibt.

In Nordrhein-Westfalen hörte sich das vor wenigen Monaten so an:

„Über die chemischen Stoffe, die bei einer Förderung zum Einsatz kämen, konnte der Behördenleiter noch nichts sagen: „Wir gehen aber davon aus, dass das Verfahren erprobt und unkritisch ist.“
Antonius Schulze-Elfringhoff, Leiter des Kreis-Umweltamtes (Kreis Steinfurt)“

Quelle:Westfälische Nachrichten: Exxon will Erdgas Feld erschließen vom 15.9.2010

„Die Steinfurter müssen sich wegen der Erdgas-Probebohrungen in Nordwalde keine Sorgen um ihr Trinkwasser machen. Gleich aus zwei Gründen: Bei einer Bohrung dieser Art werden keine giftigen Chemikalien eingesetzt. Und selbst wenn bei einer späteren Förderung des fossilen Energieträgers diese Mittel in den Untergrund gespritzt würden, bliebe das Grundwasser durch 800 Meter dicke und absolut dichte Erdschichten geschützt – sollten einmal bei einem Störfall nicht alle Rückstände an die Oberfläche gepumpt werden können. Das sagt Dr. Volker Wrede vom Geologischen Dienst des Landes Nordrhein-Westfalen

Quelle: Westfälische Nachrichten: Keine Gefahr für das Steinfurter Trinkwasser vom 10.11.2010

Und auch hier wieder die Kehrtwende nach einigen Monaten intensiver Beschäftigung mit den Risiken des Frackings und zunehmenden Protesten aus der Bevölkerung:

Die Bezirksregierung Arnsberg hat als Genehmigungsbehörde jetzt zur Bedingung gemacht, dass Exxon eine wasserrechtliche Erlaubnis für seine Vorhaben einholt. Das bestätigte Jörg A. Linden, Sprecher der Bezirksregierung, gestern auf Anfrage der WN.

Quelle: Westfälische Nachrichten: Exxon Gegner feiern Teilerfolg, vom 14.1.2011

Darauf hat Arnsbergs Regierungspräsident Dr. Gerd Bollermann, der als Behördenleiter Chef der Bergbehörde NRW ist, reagiert und eine Projektgruppe ins Leben gerufen, die Vorschläge zur Überarbeitung des Bergrechts erarbeiten soll. „Wir stehen ganz am Anfang eines ergebnisoffenen Diskussionsprozesses. Aber mir ist wichtig, dass diese Diskussion überhaupt beginnt“, stellte Bollermann klar.

Quelle: Westfälische Nachrichten: Arnsberg will neues Bergrecht vom 18.1.2011

Auch in Baden-Württemberg sollte ein genauer Blick auf die Zusammenarbeit zwischen genehmigender Behörde und den beantragenden Unternehmen geworfen werden.

„Die Arnsberger sind in dieser Frage Genehmigungsbehörde. Ausgerechnet der für die Vergabe der Bohr-Lizenzen zuständige Mitarbeiter hat sich nun mit „für Sie interessanten Informationen“ an die Bürgermeister der drei Gemeinden gewandt. Im Anhang seiner Mail, die unserer Zeitung vorliegt, findet sich ein Info-Paket des Wirtschaftsverbandes Erdöl- und Erdgasgewinnung (WEG).“

Quelle:Westfälische Nachrichten: Behörde informiert mit Exxons Argumenten vom 21.12.2010

Kurz darauf wurde auch noch aufgedeckt, das die Bezirksregierung Arnsberg und der Konzern ExxonMobil die gleichen Präsentationen verwenden. Nur Farben und Logos wurden angepaßt.

Geschichte wiederholt sich. Die gleichen Fehler sollten nicht gemacht werden.

Quelle:
Schatzsuche am Bodensee | SÜDKURIER Online.

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