Neue Untersuchungen kratzen am CO2-freundlichen Image von natürlichem Gas

Die Öl- und Gasindustrie, aber auch die Politik, beruft sich gerne darauf, daß bei der Verbrennung von natürlichem Gas ca. 50% weniger CO2 freigesetzt wird, als bei der Verbrennung von Kohle.

Die amerikanische Umweltbehörde EPA hat jetzt eine Lebenszyklusanalyse zum Einsatz von natürlichen Gas durchgeführt. Dabei wird nicht nur der Vorgang der Verbrennung berücksichtigt, sondern auch die bei der Förderung freigesetzten Klimagase.

Unkonventionell gefördertes Gas, z.B. aus Schiefer- oder Sandsteinschichten, besteht zum größten Teil aus Methan. Auch Methan ist ein Klimagas, welches im Verhältnis zu CO2 noch einmal um den Faktor 20 schädlicher für das Weltklima ist. Schon lange bekannt war, daß bei der Förderung, und insbesondere beim Fracking, große Mengen Methan austreten.

Das Methan schadet nicht nur dem Klima, sondern auch direkt dem Menschen. Die EPA mußte nur ihre ursprünglichen Schätzungen über die Menge an austretendem Methan revidieren:

„The EPA now reports that emissions from conventional hydraulic fracturing are 35 times higher than the agency had previously estimated. It also reports that emissions from the type of hydraulic fracturing being used in the nation’s bountiful new shale gas reserves, like the Marcellus, are almost 9,000 times higher than it had previously calculated,…“

Konventionelles Fracking führt zu Emissionen, die 35 mal höher sind, als ursprünglich angenommen. Die neuen Fracking Verfahren, die unter anderem im Marcellus Shale eingesetzt werden, führen sogar zu 9000 mal höheren Emissionen als usprünglich angenommen.

„Billions of cubic feet of climate-changing greenhouse gases—roughly the equivalent of the annual emissions from 35 million automobiles—seep from loose pipe valves or are vented intentionally from gas production facilities into the atmosphere each year, according to the EPA. Gas drilling emissions alone account for at least one-fifth of human-caused methane in the world’s atmosphere, the World Bank estimates, and as more natural gas is drilled, the EPA expects these emissions to increase dramatically.“

Milliarden Kubikfuß Treibhaus-Gas, ungefähr das Equivalent zu 35 Millonen Autos, strömt jedes Jahr in die Atmosphäre. In Deutschland gab es 2009 ungefähr 42 Millionen Autos. Damit sind Gasbohrungen für ca. 20% des von Menschen verursachten Methans verantwortlich, schätzt die Weltbank. Mit immer mehr Bohrungen weltweit, wird sich das noch dramatisch steigern.

Die neuen Untersuchungen stellen die langfristige Ausrichtung der amerikanischen Energieversorgung auf Gas in Frage. Ein Gaskraftwerk hat, ähnlich wie ein Kohlekraftwerk, eine Laufzeit von 40 Jahren. James E. Rogers, CEO von Duke Energy sagt dazu:

„In the 60’s we put a needle in one arm—it was called oil,“ Rogers said. „If the shale gas doesn’t play out as predicted, and we build a lot of gas plants in this country, […], we’re going to be putting the needle in the other arm and it’s going to be called gas.“

„In den 60er Jahren steckten wir uns eine Nadel in den Arm – genannt Öl. Wenn das Schiefergas sich nicht so entwickelt wie vorhergesagt und wir bauen eine Menge Gaskraftwerke in diesem Land, stecken wir uns die Nadel in den anderen Arm und sie wird Gas genannt.“

Auch Werner Zittel, Experte für unkonventionelle Gasförderung, fordert regelmäßig, daß vor Gasbohrungen in Deutschland eine vollständige Lebenszyklusanalyse durchgeführt wird. Die versprochene Einsparung von 50% CO2 bei Verbrennung von natürlichem Gas gegenüber Kohle hat sich mit den Untersuchungen der amerikanischen Umweltbehörde erst einmal erledigt.

Quelle:
http://www.propublica.org/article/natural-gas-and-coal-pollution-gap-in-doubt

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