Wirtschaftsministerium NRW äußert sich zur unkonventionellen Gasförderung

Der FDP Landtagsabgeordnete (NRW) Dr. Stefan Romberg erkundigte sich über den Weg der kleinen Anfrage nach den möglichen Folgen der Probebohrung in Nordwalde. Die Antwort des Wirtschaftsministers (SPD) Harry Voigtsberger stellte er uns freundlicherweise zur Verfügung.

2. Welche Erkenntnisse liegen über Umweltschäden durch die Förderung
von unkonventionellen Erdgasvorkommen vor?

In Nordrhein-Westfalen wird keine Gewinnung von Erdgas aus unkonventionellen Lagerstätten betrieben. Medienberichten zufolge soll es in den USA durch sogenannte Frac-Maßnahmen (Schaffen von Wegsamkeiten im Gestein des Lagerstättenhorizontes durch
hydraulischen Druck, um den Gaszustrom zur Förderbohrung zu stimulieren) bei der Gasgewinnung aus unkonventionellen Lagerstätten zu Übertritten dort eingesetzter Chemikalien und von Erdgas in das Grund- oder Trinkwasser gekommen sein.

In Niedersachsen wird die Frac-Technologie seit mehreren Jahrzehnten im Rahmen der Erdöl- und Erdgasförderung eingesetzt. Umweltschäden sind der Landesregierung in diesem Zusammenhang nicht bekannt.

Dr. Wrede vom Geologischen Dienst NRW sagte dazu auf der Sondersitzung des Regionalrates Münster, daß die Folgen des Frackings im Ausland recherchiert und wissenschaftlich ausgewertet werden müssen. Vorher wäre keine Bewertung der Vorfälle möglich.

Bei der Sitzung stellte sich auch heraus, das es semantische Streitereien zwischen den beteiligten Behörden, Politikern und ExxonMobil über die Begriffe Umweltschäden, Vorkommnis, Störung, Unfall und die direkten und indirekten Folgen des Fracking gibt. Damit wurden auch die Äußerungen zum „bisher unfallfreien Betrieb“ in Niedersachsen erklärt. Austretendes Benzol und Quecksilber verseuchte Böden wurden zu „gemeldeten Vorkommnissen“. Erst eins, dann zwei…

Die Aussage des Wirtschaftsministeriums ist also inhaltlich nicht falsch. Ein wenig mehr Mut, besonders in Bezug auf die Fracking Verbote im Ausland durch die dort beobachteten Folgen wäre aber schön gewesen.

Der Rat der Gemeinde Nordwalde hat nach einem Verzicht auf Einwände gegen die Probebohrung inzwischen Fracking und eine Förderung ausgeschlossen, bis verläßliche Aussagen über Art, Umfang und mögliche Folgen einer Bohrung absehbar sind. Im Prinzip entspricht das einem Fracking – Moratorium auf dem Gebiet der Gemeinde Nordwalde. Fraglich ist noch, ob die Entscheidung des Rates in Nordwalde überhaupt Einfluss auf das Genehmigungsverfahren hat.

Die FDP im Rat der Gemeinde Nordwalde stimmte ebenfalls gegen Fracking und den Förderbetrieb. Im Regionalrat kritisierte Martin Gerhardy (FDP)die Grünen noch dafür: (Twitter: gerhardy: „Heute im Regionalrat: Grüne wieder mal als destruktive Dagegen-Partei zum Thema Gasbohrungen im Münsterland“). Heinz-Dieter Lüning (FDP), stellvertretendem Bürgermeister in Nordwalde, bestätigte inzwischen aber, daß die FDP im Regionalrat auch das Fracking und die Förderung ablehnen würde, bis Ergebnisse über die Unbedenklichkeit des Verfahrens feststünden. Auch diese Entscheidung wird wahrscheinlich keinen Einfluss auf das bergrechtliche Verfahren haben.

3. Welche Stoffe außer Wasser und Sand kommen bei den Probebohrungen
zum Einsatz?

Sand wird für das Abteufen von Probebohrungen nicht eingesetzt. Im Bereich des Quartärs bzw. in Grundwasser führenden Schichten wird überwiegend eine Ton-Süßwasser- und anschließend bis zur Endteufe eine Ton-Salzwasserspülung zur Förderung des erbohrten Gesteins verwendet. Die Fa. Exxon Mobil Produktion Deutschland GmbH hat zu den bei Kernbohrungen – wie sie in Nordwalde geplant ist – üblicherweise neben Wasser eingesetzten Stoffen Folgendes mitgeteilt:

„Bentonit = Tonmineral
Polysal = Kartoffelstärke mit Konservierungsmittel
CMC-LV = Cellulose (zur Viskositätserhöhung)
M-I Cide = Bakterizid
Soda ash (Pottasche) = Natriumcarbonat (ph-Wert Erhöhung)
KCl = Kaliumchlorid (Salz)
XC-Polymer = Polymer (Verdickungsmittel)
Defoamex = Entschäumer“

Die Probebohrungen unterscheiden sich weder hinsichtlich der Bohrtechnologie noch hinsichtlich der eingesetzten Stoffe von anderen Bohrungen, die etwa auf die Erschließung von Grundwasservorkommen, Erdwärme oder Bodenschätze gerichtet sind.

Leider beziehen sich die Antworten ausschließlich auf eine Probebohrung. Viel interessanter wäre natürlich eine Liste der Chemikalien, die ExxonMobil bei einem Probe-Frack einsetzen würde. Hier hat das Unternehmen auf der gestrigen Sondersitzung aber versprochen, alle Stoffe offen zu legen und vor allem auch an die betroffenen Wasserwerke zu melden. Eine wasserrechtliche Prüfung ist inzwischen von der Bezirksregierung Arnsberg verpflichtend festgelegt worden. Ohne diese Hürde wird es weder Probe- noch Förderungsbohrungen geben.

Auf seiner Website schreibt Dr. Romberg noch zur Probebohrung:

„Das Verfahren wurde schon Anfang der 90er Jahre in Niedersachsen angewandt und von dort sind keine Umweltprobleme bekannt“, erklärt Romberg. Daher warnt der FDP-Politiker vor Panikmache. „Die unkonventionellen Vorkommen können einen wichtigen Beitrag zur Energiesicherheit und vor allem zur Unabhängigkeit von ausländischen Erdgaslieferungen liefern.“

Dr. Romberg hätte hier sicherlich Recht, wenn das „Hydraulic Fracturing“ Verfahren aus den 90er Jahren in Art und Umfang noch Gemeinsamkeiten mit der Technologie von heute hätte. Panikmache ist sicherlich nicht notwendig. Aber wenn es offensichtliche Auswirkungen in Ländern gibt, die diese Technologie einsetzen und diese inzwischen selber das Verfahren verbieten, um Untersuchungen über die Folgen abzuwarten, dann macht es wenig Sinn hier in Deutschland mögliche Fehler zu wiederholen.

Nach Aussagen von ExxonMobil rechnet der Konzern selber mit einem Zeitrahmen von 5 bis 10 Jahren, bis im größeren Umfang mit der Förderung begonnen werden könnte. Der Prozess läuft seit 2007. Die USA rechnen 2012 mit Ergebnissen einer laufenden Studie der Umweltbehörde. So lange sollten Bohrungen auch in Deutschland auf Eis gelegt werden. Eine Forderung, die auch mehrheitlich auf der Sondersitzung des Regionalrates Münster gestellt wurde.

Quellen:

http://www.westfaelische-nachrichten.de/aktuelles/muensterland/1479655_Land_kennt_keine_Hinderungsgruende.html

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