Details zum Fracking in Cappeln / Oldenburg

In Cappeln will ExxonMobil eine bestehende Gasbohrung mit Hilfe von Fracking weiter ausbeuten. Norbert Stahlhut, Pressesprecher von ExxonMobil, informierte jetzt gemeinsam mit einem Chemiker und einem Geologen des Unternehmens die örtliche Bevölkerung:

„Die Debatte sei durch die Medien, insbesondere durch die Monitor-Sendung „Gefahr fürs Trinkwasser“ im November unbegründet losgetreten worden, so Norbert Stahlhut“

Details zum Fracking Gemisch wurden bei der Veranstaltung ebenfalls genannt:

„Die zur Anwendung kommenden Chemikalien Tetramethylammoniumchlorid (CAS-Nummer 75-57-0) und das als Wasser schädigend eingestufte Octylphenol Ethoxylate (CAS-Nummer 9036-19-5) und weitere Biozide seien hochverdünnt in einem Gemisch aus Wasser und Quarzsand unbedenklich. Insgesamt kommen bei einer derartigen Bohrung rund 6000 Kubikmeter Gemisch aus 89 Prozent Wasser, 6,5 Prozent CO2 und drei Prozent keramische Stützmittel zum Einsatz. Der Anteil der „Additive“ sei kleiner als 1,5 Prozent und somit unproblematisch.“ „Das gesamte Mittel als Ganzes ist nur schwach wassergefährdend und als nicht umweltgefährdend eingestuft“, sagte der Chemiker des Unternehmens Dr. Harald Kassner.

Die Debatte um die Zusammensetzung des Gemisches wird, insbesonders durch Herrn Stahlhut, immer wieder (begründet) losgetreten. Noch am gleichen Tag sprach er bei einer Veranstaltung im Landtag von NRW von 0,2% Chemikalien im Fracking Gemisch. Die Formulierung „schwach wassergefährdend“ fiel dort auch. Rückfragen zum Unterschied zwischen „schwach wassergefährdend“ und „wassergefährdent“ beantwortete er nicht.

Rechnet man die oben stehenden Zahlen um, so werden in Cappeln für einen einzigen Frack Vorgang 5,3 Millionen Liter Wasser mit 90.000 Liter Chemikalien versetzt und in den Boden gepumpt. Beim Rückfluss ist das Wasser stark mit Salzen angereichert. Über die radioaktive Belastung gibt es in Cappeln keine öffentlich verfügbaren Angaben. 5,3 Millionen Liter Wasser entsprechend dem täglichen Wasserverbrauch von rund 42.000 Menschen in Deutschland.

„Käme es beim Fracing, das mit höchsten 680 bar Druck durchgeführt wird, zu einem Druckabfall, schlössen sofort alle Ventile. Das Frac-Gemisch befände sich in einem geschlossenen Kreislauf.“

Laien dürfte es kaum möglich sein, einzuschätzen, ob 680 bar viel oder wenig sind. Kritiker sehen hier ein Risiko, das sich über längere Zeiträume Bruchlinien bis in höhere Schichten fortsetzen und am Ende auch das abschottende Deckgebirge schädigen und damit wasserführende Schichten erreichen können. James Northrup, 20 Jahre bei Öl- und Gasbohrungen beschäftigt, berichtet über die Folgen des Drucks und der fehlenden Vergleichbarkeit der früheren von den heutigen Fracking Bohrungen (englisch).

„Für das Landesamt für Bergbau stellte Andreas Baar das Genehmigungsverfahren vor, und Klaus Söntgerath, Abteilungsleiter Betriebsüberwachung sagte, dass als untere Wasserbehörde die Landkreise angesprochen würden. Aufgrund der Diskussionen suche man auch den Kontakt mit den Wasserverbänden.“

Ein positiver Effekt der aktuellen Berichterstattung über Fracking ist, dass Wasserverbände und Wasserbehörden jetzt zumindest auf freiwilliger Basis „angesprochen“ werden. Mitsprache oder Entscheidungskompetenz bedeutet das noch lange nicht. In Nordrhein-Westfalen verfügten weder der Kreis Steinfurt noch die Wasserbehörde in Hamm über eigene Experten für dieses komplexe Fachgebiet. Im Kreis Steinfurt soll deshalb ein externer Experte hinzugezogen werden.

Quelle:
http://www.nwzonline.de/Region/Kreis/Cloppenburg/Cappeln/Artikel/2495786/%26bdquo%3BErprobte+Technik+l%E4uft+ohne+Zwischenf%E4lle%26ldquo%3B.html
http://www.neue-mitmach-zeitung.de/cappeln/lokales/exxon-presst-giftige-chemie-in-die-erde-d103.html

2 Kommentare.

  1. Die exxon-Leute arbeiten schnell, auch an Wochenenden, noch bevor jemand etwas mitbekommt, hat man die Bohrstelle in jetziger Woche für das fracking-Verfahren vorbereitet. Tanks aufgestellt, Pumpsysteme aufgebaut usw. und Wälle errichtet um den Einblick zu erschwerten. Was kann man noch dagegen machen? Der Bürgermeister sagt anscheinend nichts dazu. Auf der Veranstaltung von Herrn Stahlhut in Cappeln,
    hatte ich den Eindruck: Die nichts ahnenden Bauern hier stecken wir in den Sack, die Gemeinde bekommt etwas Geld und dann wird gebohrt.
    Keiner der Anwesenden hat eine kritische Frage gestellt, keiner hatte sich im Vorfeld informiert.
    Bis auf meine Wenigkeit. Das wurde dann wohl zuviel, als plötzlich im Saal unter den Zuhörern verteilt exxon-Mitarbeiter aufstanden, um meiner Fragerei und Bekanntgabe von unangenehmen Details Einhalt zu gewähren.
    Der Bürgermeister hat dann auch schnell die „Informationsveranstaltug“ für beendet erklärt.
    Was läuft hier ab?

  2. Klaus Debowiak

    Kurze Anmerkung zu dem obigen Artikel:

    WGK wird nach VwVwS eingeteilt.

    Hierbei werden drei Wassergefährdungsklassen (WGK) unterschieden:
    WGK 1: schwach wassergefährdend
    WGK 2: wassergefährdend
    WGK 3: stark wassergefährdend

    Zitat der Fa. Exxon Mobil :

    Das gesamte Mittel als Ganzes ist nur schwach wassergefährdend und als nicht umweltgefährdend eingestuft“, sagte der Chemiker des Unternehmens Dr. Harald Kassner.

    Fazit.

    Die eingesetzten „MITEL ALS GANZES “ sind somit nach der VwVwS-Einteilung WGK 1 schwach wassergefährdend .

    Transformatoren-Oel in den Transformatoren der Versorgungswirtschaft sind nach der VwVwS-Einteilung WGK 1 schwach wassergefährdend .
    Der wasserrechte Schutz für das Betreiben solcher Anlagen ist nicht unerheblich und wird in der Versorgungswirtschaft sehr enrstgenommen .

    Nach dem Sprachgebrauch von Herrn Dr. Harald Kassner von der Fa. Exxon Mobil sind somit solche Anlagen als „nicht umweltgefährdend eingestuft “ .

    Wenn ich Anlagen mit WGK 1 nach den rechtlichen Vorgaben des WHG`s und deren Nebenbestimmungen betreibe und ständig zeitnah mit geschultem Fachpersonal überwache , erst dann kann ich von einer WHG-Anlage sprechen “ sie ist „nicht umweltgefährdend „.

    Aufgrund der vielen bekannten umweltrelevanten Störfälle und Schadensabwicklungen muß ich annehmen , das diese Anlagen weder zeitnah in der Überwachung stehen noch geschultes Fachpersonal Vor-Ort vorhanden ist . All dieses fordert das WHG-recht ein .

    Jeder Umweltschaden in dieem Ausmaß ist zunächst auch ein Fall für das Umweltstrafrecht. Die Behörden als auch die örtlichen Bürgermeister haben die Pflicht dieses Recht auch anzuwenden .

    Zum Schluß möchte ich noch anmerken , dass das eingesetzte „keramische Stützmittel “ nicht ohne Sorgen ist .
    Ich kann nur empfehlen dieses Material sich genauer anzuschauen .

    Dake für Ihre Aufmerksamkeit .