Halliburton bewirbt neue Fracking Verfahren

In den USA sind die Nebenwirkungen des Hydraulic Fracturing in den Fördergebieten unübersehbar. Bohrplattformen dicht an dicht, Schwerlastverkehr zum An- und Abtransport der Chemikalien und der Abfälle, Luftverschmutzung durch ausströmendes Gas, ungelöste Endlagerprobleme der mit Radon belasteten Förderrückstände, versalzte Flüsse und Quellen, brennendes Leitungswasser und belastetes Grundwasser.

Der Staat New York hat im Sommer 2010 mit großer Mehrheit ein Moratorium für neue Bohrungen beschlossen, um die Ergebnisse von Studien zur Nebenwirkung von Hydraulic Fracturing abzuwarten.

Halliburton, eines der weltweit größten Unternehmen im Bereich Öl- und Gasförderung, reagiert darauf mit neuen Produkten, die das Hydraulic Fracturing sauberer machen sollen. Diese Initiative ist sehr zu begrüßen. Ob es ausreichend ist, müssen Experten beurteilen. Doch schon dem Laien fallen diverse Einschränkungen und Lücken im Werbetext von Halliburton auf.

CleanStim™ Formulation
A new hydraulic fracturing solution made up of ingredients sourced entirely from the food industry? Well, our new CleanStim™ fracturing formulation doesn’t quite call for the downhole delivery of fruits and vegetables. But it does rely on some of the same acids and enzymes present in those items to create one of the most innovative and environmentally safe fracture solutions ever conceived. Now, are we saying you should eat the stuff? Nope. But when diluted and used as directed, we are saying it’s an exciting new innovation in the field – one that reduces chemical exposure risk at and below the wellsit. … *Intended Use – The CleanStim formulation is designed for use in hydraulic fracturing. Even though all the ingredients are acquired from food suppliers, the CleanStim fluid system should not be considered edible.

Die neue Flüssigkeit soll aus einigen („rely on some of the same“) Säuren und Enzymen bestehen, die so auch in der Nahrungsmittelindustrie verwendet werden. Das erweckt, ähnlich wie der Kosmetikvergleich von Norbert Stahlhut mit Wassergefahrenstoffen der Stufe 3, ein falsches Sicherheitsgefühl. Der deutliche Hinweis, die Flüssigkeit sei nicht zum Verzehr geeignet, dürfte das Analog zur „Kaffee ist heiß“ Warnung auf Pappbechern sein.

CleanStream® Service
One of the most common chemical components found in traditional fracture solutions is the biocide. Without it, bacteria can quickly form in the well and spread rapidly throughout — impeding the flow of energy, and corroding the pipes and equipment. But what if we could control that bacteria without relying on the additives that traditionally have been used for the job? Thanks to our new CleanStream® service, that’s precisely what’s possible today. The secret? UV light as a replacement for chemical biocides – just the latest „bright“ idea from our engineering team.

Ein üblicher Bestandteil von Fracking Flüssigkeit sind Biozide, die verhindern, das sich Bakterien bilden und die Bohrausrüstung beschädigen. Halliburton will das Wasser/Chemie Gemisch mit UV Licht bestrahlen, um Bakterien abzutöten. Das hört sich nach einer guten Alternative zur Verwendung von Pestiziden an. Interessant wäre der Einfluss des Energieverbrauchs für die Bestrahlung auf die Profitabilität der Bohrung.

CleanWave™ Water Treatment System
“A celebration of electrocoagulation” for our chemists, but a great new application of technology for reducing the amount of freshwater needed to tap America’s resources for the rest of us. With the introduction of Halliburton’s new CleanWave™ system, our customers now have an efficient (and mobile) way to treat and reuse the water that’s generated as a routine part of the fracturing process. Of course, the more produced water you can recycle, the less of the fresh stuff you need to buy – and the fewer truck-trips required to get it where it needs to be.

Über den enormem Wasserverbrauch im Zusammenhang mit Fracking wurde schon häufiger berichtet. Halliburton stellt hier eine mobile Recycling-Station vor, die verspricht über Elektrizität das Fracking Wasser weitgehend zu reinigen. Zumindest das Wasser, das wieder an die Oberfläche gelangt. Bestandteile wie Erde und Salze werden abgeschieden und können separat entsorgt werden. Das Wasser eignet sich danach wieder weitgehend für weitere Bohrungen. Nicht gesagt wird, wie die festen Bestandteilen entsorgt werden soll. Das der Wasserverbrauch trotzdem noch enorm bleibt, wird vorsichtshalber auch weggelassen.

Viele positive Ansätze, die zumindest einige der Nebenwirkungen des Fracking reduzieren können. Aber nur Gesetze zum Schutz der Umwelt oder eine deutliche Steigerung der Wirtschaftlichkeit, werden Konzerne dazu bringen, diese Verfahren auch durchgehend einzusetzen. Die Gefahr von sauberen „Schaufensterbohrungen“ ist groß.

An ausströmendem Gas, radioaktiv belasteten Feststoffen und Flüssigkeiten und dem Zupflastern der Landschaft mit Bohrtürmen ändern aber auch diese neuen Verfahren nichts.

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