Expertenbericht: Wirtschaftliche Förderung von unkonventionellem Erdgas in Europa fraglich

Am vergangenen Wochendende fand in Houston der „World Trade Group E&P Technology Summit“ statt. Vincent Saubestre, „Manager, Technology, Research & Development“ bei Total und Paul Goodfellow „VP, Development, Onshore Gas“ bei Shell kamen übereinstimmend zum Ergebnis, das eine Förderung von unkonventionellem Erdgas in Europa noch mindestens ein Jahrzehnt in der Zukunft liegt, obwohl der Bedarf an Gas weiter steigen wird.

Als Gründe dafür wurden angegeben:

  • Der geologische Aufbau der Gasfelder in den USA unterscheidet sich sehr von denen in den USA. So sind die geologischen Strukturen um einiges kleiner. Die Fördertechnologie müsste angepasst werden und der Profit sinkt.
  • Die Bevölkerungsdichte in den Gewinnungsgebieten ist deutlich höher als in den USA und die Industrie würde dort selten mit offenen Armen empfangen.
  • In Europa gehören die Bodenschätze häufig nicht den Landbesitzern, sondern dem Staat. Das macht es für Landbesitzer nicht attraktiv, dass auf ihrem Gelände gefördert werden soll.
  • Europäische Umweltgesetze sind häufig streng aber selten einheitlich. An welches Gesetz soll die Technologie angepaßt werden? Und wie soll das Entsorgungsmanagement und der enorme Bedarf an Wasser mit diesen Gesetzen in Einklang gebracht werden?
  • Die Bohrindustrie hat einfach nicht die notwendigen Kapazitäten um die vielen Bohrlöcher, die benötigt würden, tatsächlich auch zu bauen.
  • Der Gaspreis gerät aus zwei Richtungen unter Druck. Die Förderkosten steigen, aber die Preise sinken mit steigendem Angebot. Der Nachbar Russland verfügt über so viel reguläres Gas, das sich unkonventionelle Förderung über einen langen Zeitraum nicht lohnen wird.

Auffällig ist, daß hier neben den wirtschaftlichen Herausforderungen auch endliche einmal die Entsorgungsproblematik und der enorme Wasserverbrauch von Vertretern der Industrie erwähnt werden.

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